Besser leben

Ein Hotel als eigene Blumenwerkstatt

01.04.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Eukalyptus-Grün bildet einen schönen Kontrast – auch zur Vinothek im Hintergrund. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Eukalyptus-Grün bildet einen schönen Kontrast – auch zur Vinothek im Hintergrund. Hartinger

„Kunstwerke aus echtem, frischem Werkstoff“, sagt Magdalena Metzler.

Magdalena Metzler ist mit ihrem Arbeitsplatz mehr als zufrieden. Sie hat ihre eigene Blumenwerkstatt – im Hotel Gams in Bezau. Fürs Hotel darf sie die Blumendekoration entwerfen, kommt den Wünschen der Gäste nach, wenn diese gerne etwas Schönes mit nach Hause nehmen wollen oder nimmt auch Aufträge von außerhalb an. „Da redet mir keiner rein. Aber natürlich lege ich mich ins Zeug“, versichert die 22-Jährige.

Mit gerade 22 Jahren hat Magdalena Metzler ihren Traumarbeitsplatz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mit gerade 22 Jahren hat Magdalena Metzler ihren Traumarbeitsplatz. Hartinger

Nach ihrem Abschluss als Floristin 2017 ist sie zwei Jahre in ihrem Ausbildungsbetrieb in Egg geblieben. Dann kam ein Sommer, von dem sie noch heute schwärmt. Sie war eine Blumensaison lang in St. Moritz in einem Blumengeschäft. „Wenn die Leute hier sagen, sie hätten gerne einen großen Strauß, dann meinen sie einen Strauß für 60 bis 80 Euro. Sagen das die Leute in St. Moritz, reden wir über ungefähr 500 Franken“, sagt die junge Floristin, so, als könne sie es immer noch nicht glauben. „Es war einfach auch eine tolle Erfahrung. Weg von zu Hause, eine eigene Wohnung, ein eigenes Leben.“ Danach ist sie in die Heimat zurückgekehrt und hörte bald von einem Umbau des Hotel Gams. Heute heißt es „Gams zu zweit“. „Es hieß, da solle auch was mit Blumen entstehen, das bin ich mir einfach mal anschauen gegangen.“

„Das Gänseei ist echt. Wir verwenden keinen Kunststoff“, sagt Metzler. <span class="copyright">Hartinger (3)</span>
„Das Gänseei ist echt. Wir verwenden keinen Kunststoff“, sagt Metzler. Hartinger (3)

Ein Schritt, der sich für die junge Floristin mit Herzblut gelohnt hat: Seit dem Herbst 2019 sorgt sie im Hotel Gams für Pastelltöne, für Frühlingsfrische, für rostfarbene Herbstimpressionen. Jeden Morgen kommt der Blumenhändler vorbei, und sie darf frank und frei aussuchen, was sie für diesen Tag braucht. Was sie selbst nicht verwenden konnte, dekoriert sie fürs Hotel. Unter anderem ist es diese Frische, die die Kunden schätzen.

Ganz und Gar nicht allein

Im Moment hat das „Gams zu zweit“ geschlossen. Keine Bar mit blauen Proseccoflaschen als Leuchter, keine Vinothek, in der jedes Glas, jeder Wein gekauft werden kann. Keine Vasen, Kränze, Dekohasen aus Floristinnenhand, die jederzeit geordert werden können. Aber auch in Corona-Zeiten möchte die 22-Jährige ihre Zeit sinnvoll gestalten. Deshalb hat sie den Tageskurs der Unternehmerprüfung besucht und vergangene Woche mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen.

Jetzt im Frühling bringen Narzissen, Ranunkeln und Co. Farbe ins Leben. <span class="copyright">Hartinger</span>
Jetzt im Frühling bringen Narzissen, Ranunkeln und Co. Farbe ins Leben. Hartinger

In normalen Zeiten kommen auch die Bezauer und bestellen Blumen, für Hochzeiten und Trauerfälle oder einfach so. Metzlers Arbeitsplatz ist also sehr vielseitig. Aber fühlt sie sich nicht manchmal allein, so ohne Kolleginnen, ohne Chef? Naja, ganz und gar ohne Chef ist sie ja nicht, und, nein sie hat ja ihre Freundinnen und Leute vom Fach, mit denen sie sich austauschen kann. Beispielsweise saß sie jetzt in der Jury vom diesjährigen Lehrlingswettbewerb der Floristen. Auch von solchen Ereignissen nimmt die 22-Jährige Inspirationen mit. Und ansonsten kommt die Inspiration von allein, sagt sie.