Besser leben

Unkraut essen, statt sich darüber zu ärgern

31.03.2021 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So viel Birkensaft an einem Tag: Birkenwasser kann man nicht nur trinken. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
So viel Birkensaft an einem Tag: Birkenwasser kann man nicht nur trinken. Stiplovsek

Kräuterpädagogin Karin Müller-Vögel kennt verborgenen Talente der Frühjahrskräuter.

Karin Müller-Vögel, Wald- und Kräuterpädagogin bei der Waldschule Bodensee, ist vorbereitet: Am Tag zuvor hat sie ihrer dem Frühling entgegenstrebenden Birke zwei kleinere Äste abgeschnitten und eine leere Glasflasche an die Wunde gebunden. Einen knappen Tag später ist die Flasche zur Hälfte gefüllt. Mit Wasser und Nährstoffen. „Vor der Winterruhe leitet die Birke ihre Nährstoffe aus den Blättern in die Wurzeln. Sie speichern diese über den Winter. Im Frühjahr werden die Knospen mit Wasser und Nährstoffen geflutet. Diese Flüssigkeit kann man im März und April anzapfen. Wenn man eine größere Menge möchte, bohrt man in den Stamm.“
Der Birkensaft gilt als entschlackend, reinigend und entwässernd, entzieht also Flüssigkeit und gibt Nährstoffe zurück. „Der Birkensaft hilft gegen die Frühjahrsmüdigkeit, als Haarwasser und war der Schönheitstrunk der Kelten. Für eine Kur trinkt man drei Wochen lang jeden Morgen ein Stamperl“, sagt Müller-Vögel. Solche Mengen gibt es in der Apotheke zu kaufen. Noch warten die Birkenblätter auf den günstigsten Moment fürs Austreiben. Sind die Blätter entrollt, kann man diese auch in den Salat schneiden, sagt die Kräuterexpertin. „Birkenzucker ist auch für Diabetiker bekömmlich. Macht man die Kur, sollte man wegen der ausleitenden Wirkung da­rauf achten, genug zu trinken“, merkt sie an.

Viele Blumen recken schon ihre Blüten Richtung Sonne – und helfen überdies. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Viele Blumen recken schon ihre Blüten Richtung Sonne – und helfen überdies. Stiplovsek

Sie hat zu Hause nicht nur einen Garten, sondern direkt neben dem Haus auch einen eigenen Wald. Dort streckt der Bärlauch seine grünen Spitzen aus dem Buchenlaub. Müller-Vögel zeigt den Unterschied des Blatts im Vergleich zum ebenfalls grün emporstrebenden Aronstab, der ja giftig ist. „Der Bärlauch produziert immer einzelne Blätter, und auch die Blattverstrebungen sehen beim Bärlauch anders aus, gehen zielstrebig zur Blattspitze. Während man Bärlauch im Wald sammelt, sollte man darauf beim Pflücken achten.“

Vielfältiger Bärlauch

Der Bärlauch, erzählt sie, heißt tatsächlich so wegen der Bären, sagt man. Wenn diese nach dem Winterschlaf ihre Höhlen verlassen, sind sie nicht nur ausgehungert, sondern haben auch viele Schlacken und Giftstoffe in ihrem Körper angesammelt. Der Bärlauch, den sie dann fressen, hilft ihnen dabei, sie loszuwerden. Menschen, die Bären beim Fressen beobachteten, kamen darauf, es ihnen gleichzutun. „Bärlauch ist sehr anregend und stärkend, ist gut gegen den Befall von Pilzen, Viren und Bakterien. Für Bärlauch gibt es unzählige Rezepte, er kann wie Knoblauch eingesetzt werden, die abgeblühten Knospen lassen sich wie Kapern einlegen. Er gehört zu den Frühjahrsblühern, die geblüht und sich versamt haben und verschwunden sind, bis sich das Blätterdach des Waldes wieder schließt.“
Viele Pflanzen wie der Bärlauch lassen sich gut in einem etwas schattigeren „Wald-Eck“ im Garten ansiedeln, empfiehlt Müller-Vögel. „Gerade Bärlauch ist anspruchslos und gedeiht gut.“

Den Knospen auf der Spur: Karin Müller-Vögel unterwegs im eigenen Wald. <span class="copyright">Stiplovsek (3)</span>
Den Knospen auf der Spur: Karin Müller-Vögel unterwegs im eigenen Wald. Stiplovsek (3)

Auch Brennnesseln räumt die Kräuterexpertin einen Raum in ihrem Garten ein – sie profitieren wechselseitig, denn die Bregenzerin sammelt die Samen, aber auch die Blätter, und macht daraus Suppen oder Salate. „Die Brennnessel ist reinigend und hilft gegen Rheuma und Gicht. Die Samen stärken im Alter und angeblich auch die Potenz.“
In ihrem Garten sind auch schon die Blätter des Spitzwegerichs zu finden. Er reinigt die Atemwege und wirkt antibiotisch. Zerreibt man ein Blatt auf einem Insektenstich, juckt dieser nicht mehr. Unkräuter haben wertvolle Inhaltsstoffe und bringen uns im Frühjahr so richtig in Schwung.
„Esst eure Unkräuter wie Gundelrebe oder Brennnessel, dann habt ihr sie im Griff“, sagt Müller-Vögel schmunzelnd.