Besser leben

Zusammen wachsen, zusammen gärtnern

23.09.2020 • 16:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Bier nach getaner Arbeit gehört dazu. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Das Bier nach getaner Arbeit gehört dazu. Klaus Hartinger

Gemeinschaftsgarten des Obst- und Gartenbauvereins Wolfurt funktioniert.

Es entstehen immer mehr Gemeinschaftsgärten, auch hier in Vorarlberg“, sagt Elfgard Köb. Die ehemalige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Wolfurt, die dessen Gemeinschaftsgarten vorsteht, freut das. „Es passt in diese Zeit, wo vielen ihre Wohnung ohne Garten und das Einkaufen im Bioladen nicht mehr genügt.“

Seit Längerem zeige sich ein Trend zur Natur und gesunder Lebensweise. Sehr viele Menschen achteten auf ihre Ernährung und bemühten sich, biologische Lebensmittel in ihrer Küche zu verarbeiten. „Einige haben so ihre Liebe zum Gärtnern entdeckt.“ Biologisch wird auch im Gemeinschaftsgarten Wolfurt gegärtnert. „Für die Mitglieder ist die biologische Anbauweise das wichtigste Anliegen beim Gärtnern. Schnecken und Kartoffelkäfer werden händisch abgesammelt, keine Herbizide und Pestizide eingesetzt, Fruchtfolgen und Gründüngungen bestimmen die Anbaupläne.“

Der Gemeinschaftsgarten liegt am Rand von Wolfurt. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Gemeinschaftsgarten liegt am Rand von Wolfurt. Klaus Hartinger

Der Garten liegt am Dorfrand, in der „Grünzone“. Das Grundstück gehört der Gemeinde Wolfurt, die es dem OGV zur Verfügung gestellt hat. Dieser ermöglicht nun 14 Parteien das Gärtnern auf diesem Gelände, und stellt dabei eine Infrastruktur bereit, „die jedes Gärtnerherz höher schlagen lässt“.
Mit dabei sind Familien mit älteren Kindern, Singles und Paare, aber „niemand unter 30, was ich etwas schade finde“, bemerkt Köb. Trotzdem, die Gemeinschaft funktioniert und wird großgeschrieben. Während des Unkrautjätens fliegen Wortfetzen, danach sitzt man zufrieden nach getaner Arbeit zusammen. Einmal im Monat ist Sitzung, einmal im Jahr Sommerfest. Jetzt, in Corona-Zeiten, ist der Abstand etwas größer, der Zusammenhalt aber auch. Wenn es jemand im Rücken hat, übernehmen die anderen die anstehenden Arbeiten in den Beeten, eines der Mitglieder hat sich statt aufs Jäten aufs verlässliche Rasenmähen verlegt.

Vertragsbedingungen, die das Ausmaß der Tätigkeiten im Garten vorschreiben, waren Wunsch der Mitglieder: Jeder soll gleichbehandelt werden. Einmal im Monat werden die Listen herumgeschickt, auf denen alle ihre Arbeitsstunden eingetragen haben – ein Stück soziale Kontrolle, aber auch Selbstverständnis: „Wir wollen zwar auch die Gemeinschaft leben, aber nicht wie in anderen Vereinen hauptsächlich zusammensitzen. Wir wollen anbauen und ernten“, bringt es Köb auf den Punkt.

„Das ist mein Herzblut“

Gefragt, warum sie nach wie vor dem Gemeinschaftsgarten vorsteht, obwohl sie nicht mehr OGV-Vorsitzende ist, zögert Köb keinen Augenblick: „Das ist mein Herzblut.“ Seit dem Jahr 2015 ist auf gut 2000 Quadratmetern ein Paradies des Sprießens und Pflückens entstanden, Platz für mehr wäre noch. Zwiebeln, Karotten, Süßkartoffeln, Kohl und Kartoffeln sind bereits in der Erde, Kürbis, Zucchini vorgezogen.

Der Garten ist gepflegt – das Miteinander funktioniert. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Garten ist gepflegt – das Miteinander funktioniert. Klaus Hartinger

„In ihren Privatbeeten ziehen die Mitglieder Salate, rote Rüben, Tomaten, Radieschen, Spinat, Erbsen und dergleichen mehr. Außerdem haben wir eine Kräuterfachfrau, die sich um ein Beet mit Kräutern und essbaren Blüten kümmert. Dieses Beet erfreut sich bei den Gartenbesuchern großer Beliebtheit, immer wieder findet man Seltenes oder Unbekanntes“, freut sich Köb. Immer im Herbst wird bei der gemeinsamen Sitzung das Gartenjahr bilanziert: weniger Kohl wegen zu vieler Schädlinge. Kein Mais mehr, weil er, wenn er nicht sofort geerntet wird, die Kauwerkzeuge zu sehr herausfordert. Jemand möchte ein kleineres oder größeres Privatbeet. Dann setzt sich Köb an den Schreibtisch und tüftelt einige Stunden an ihrem Gartenplan: Wo kann aufgrund der Fruchtfolge im nächsten Jahr was gepflanzt werden, wer bekommt welches Beet und wie viel davon und so weiter. Insgesamt ist die Vorsitzende des Gemeinschaftsgartens sehr zufrieden.

Im Mittelpunkt steht aber die Arbeit im Garten. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Im Mittelpunkt steht aber die Arbeit im Garten. Klaus Hartinger

Das allererste Jahr hat nicht so gut funktioniert, es waren weniger Leute, die auch erst nach und nach merkten, wie viel Zeitaufwand nötig ist, um Gemüse groß zu ziehen und was alles damit verbunden ist. „Inzwischen funktioniert die Gemeinschaft wunderbar, verfügt über große Gartenerfahrung und ist auch stets neugierig auf Neues. Wenn es ein Problem gibt, setzen wir uns zusammen und diskutieren es aus. Es haben sich Leute zusammengefunden, die sich verstehen und wo jeder den anderen respektiert.“ Wird ein Beet vernachlässigt, sucht man das Gespräch und eine Lösung. Dass jeder für die Gemeinschaft einsteht, ist Ehrensache. Aber für den Einzelnen ist ebenso Raum – und nicht nur für die Pflanzen.