Besser leben

„Soll wie eine Oase werden“

23.09.2020 • 15:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch die eingesetzten Maschinen sind handbetrieben. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Auch die eingesetzten Maschinen sind handbetrieben. Klaus Hartinger

Der großen Garten soll nicht nur den Menschen dienen.

Martin Bereuter ist Obmann des Obst- und Gartenbauvereins Buch. Und Martin Bereuter legt derzeit auf 1200 Quadratmetern einen Garten an. „Ich würde das Ganze nur bedingt als Permakultur bezeichnen. Es sind bestimmt solche Elemente enthalten, allerdings möchte ich mich nicht da drauf festnageln, weil so mein Horizont und mein Bewegungsspielraum extrem eingeschränkt wären“, erklärt er. Was allerdings feststeht, das ist sein Ziel: „Die Erschaffung einer gewinnbringenden Biodiversitätsfläche.“ Eine landwirtschaftliche Fläche, die er vom Schwiegervater gepachtet hat. Unter die Himbeerpflanzen wird er Walderdbeeren pflanzen, um dieselbe Fläche nicht nur einfach, sondern zweifach zu nutzen. Auch ansonsten wird er verschiedenste Systeme anwenden, um den Boden möglichst sinnvoll und ertragreich zu bewirtschaften.

Was kommt wo hin? Die „Oase“ ist noch im Entstehen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Was kommt wo hin? Die „Oase“ ist noch im Entstehen. Klaus Hartinger

Potenzielle Kunden finden, was er da macht, sei eine gute Idee. „Andere fühlen sich gleichermaßen in ihrer Meinung über mich bestätigt“, erzählt Bereuter. Das mag daran liegen, dass er mit seiner Familie seit 2010 in Buch lebt: „In kleinstrukturierten Gemeinden fällt man nun mal mehr auf, wenn man ein wenig anders denkt“, sagt Bereuter gut gelaunt. „Ich sehe das Gartenprojekt auch als private Rebellion gegen bestehende Systeme und die Allmacht von weltumspannenden Konzernen wie Monsanto, Bayer und Nestle, die mit ihren Methoden ganze Bauernstände in Dritt- und Schwellenländern unterjochen.“ Er möchte sich so bestmöglich aus „diesem grausamen Spiel“ ausklinken.

Landschaftsgärtner

Der 42-Jährige ist gelernter Landschaftsgärtner, hat allerdings aufgrund besserer Verdienstmöglichkeiten in die Baubranche gewechselt. Zurzeit arbeitet er bei der Firma Meusburger Werkzeugbau in Wolfurt, wobei ihm vor allem die Schichtarbeit entgegenkommt. „So habe ich die Zeit für mein Projekt. Ganz vom Gemüsebau zu leben wird wohl nicht möglich sein. Aber vielleicht verdiene ich, bis ich 50 bin, genug daran, um nur noch drei bis vier Tage pro Woche auswärts zu arbeiten“, wünscht sich Martin Bereuter.

Und wo will er in drei Jahren stehen? „Ich hoffe, dass ich bis dahin genug Erfahrung habe, um einen gefestigten Kundenstock mit erstklassigen Produkten versorgen zu können. Dann können wir auch abschätzen, ob wir die Anbaufläche vergrößern. Außerdem arbeiten wir auf Initiative von Daniela Kohler vom Biohof Kohler Buch an einer Kooperation kleiner Höfe in der Umgebung“, erzählt der Landschaftsgärtner. Bei ihm soll ein Ort entstehen, „wo sich Mensch, Tier und Pflanzen gleich wohlfühlen dürfen. Ein Arbeitsplatz, ein Rückzugsort, ein Lebensraum, kurzum, so etwas wie eine Oase.“ Dazu verwendet er Saatgut von Reinsaat, Sativa oder Dreschflegel, „weil diese Firmen nachhaltig arbeiten und mit dem Erhalt alter Landsorten einen unbezahlbaren Dienst an der Gesellschaft leisten“.

Diese Erde soll die Familie Bereuter einmal ernähren.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Diese Erde soll die Familie Bereuter einmal ernähren. Klaus Hartinger

Gepflanzt wird in Mischkultur, um Pro­bleme, die bei Monokulturen auftreten, von vornherein zu dezimieren“, erklärt Martin Bereuter. Außerdem verzichtet er auf chemische Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger und, soweit möglich, auf torfhaltige Substrate. „Wir produzieren selbst Kompost und mulchen unsere Beete, sobald Rasenschnitt verfügbar ist, um Erosionen durch Wind und Wetter zu vermeiden. So füttern wir das Bodenleben und erhöhen den Humusgehalt – als CO2-Speicher – in unserem Acker.“

Der größte Unterschied im Vergleich zu anderen Landwirten „liegt wohl beim Verhältnis PS pro Hektar: Wir verwenden nur zwei Maschinen mit Verbrennungsmotor. Einen Einachsschlepper, umrüstbar auf Bodenfräse, Pflug, Kleintraktor, Kartoffelernter und so weiter, und einen Rasenmäher. Es gibt sehr durchdachte handbetriebene Geräte wie Sämaschinen oder umrüstbare Einradhacken auf dem Markt. Somit ist bei uns grenzenloses Wachstum, das oft genug zu Abhängigkeit und Selbstversklavung führt, ausgeschlossen. Des Weiteren ,opfern‘ wir einen Teil unserer Fläche zur Errichtung verschiedenster Trocken- und Feuchtbiotope, Wildsträucherhecken und so weiter, um so ein Umfeld zu erschaffen, in dem ein möglichst stabiles biologisches Gleichgewicht herrscht. Erst danach konzentrieren wir uns auf den Ertragsanbau.“

Bei fast allem packt Bereuter selbst an – neben seinem eigentlichen Job. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Bei fast allem packt Bereuter selbst an – neben seinem eigentlichen Job. Klaus Hartinger

Bis es soweit ist, hat sein sechsjähriger Sohn schon mal den Posten des Geschäftsführers übernommen. Und viele weitere Augenpaare werden die Entwicklung in Buch bei Martin Bereuter verfolgen. Wie er selbst sagt: „Es bleibt spannend.“