Besser leben

Die Natur als Dekoinspiration

17.09.2020 • 17:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sonja Engstler (l.) und Annelies Kopf im Gärtnerei-eigenen Garten.<span class="copyright"> Dietmar Stiplovsek</span><span class="copyright"> </span>
Sonja Engstler (l.) und Annelies Kopf im Gärtnerei-eigenen Garten. Dietmar Stiplovsek

Annelies Kopf und ihr Team schöpfen im Herbst aus dem Vollen. Tipps geben sie gerne weiter.

Das Rote Haus in Rankweil leuchtet nicht nur von außen in einem satten Rotton. Auch innen geht es farbenfroh zu. Hier, bei „Blumen Bauer zum Roten Haus“, arbeiten vier Meisterinnen des Floristenhandwerks zurzeit mit Farben wie Orange, Rot, Pastellrosa, Lila oder Gelb. Diese schenkt uns der Herbst, und mit ihm kommen außerdem vielerlei Arten von Samenkapseln, Fruchtständen und Beerenzweigen.

Dies sind beispielsweise die orangefarbene Kapsel der Laternenblume, die hellroten Hagebutten, der violett blühende Liebesperlenstrauch oder sich mannigfaltig und verschiedenfarbig auffächernde Gräser. Zu dieser Jahreszeit können die Floristinnen aus dem Vollen schöpfen.

Suche nach Kontrasten

Doch nicht nur sie – auch jede und jeder kann in sein Zuhause ein Stück Natur zaubern, kann mit inspirierenden Farben und Formen Akzente setzen. Am Anfang steht dabei die Idee; jedes Werkstück beginnt seinen Werdegang im Kopf des Machers. Dabei geht man vom Gegebenen aus: „Kunden bringen uns oft Schalen, Töpfe, Vasen oder Körbe, die geschmückt werden sollen, oder zeigen uns ein Foto vom entsprechenden Umfeld“, berichtet Annelies Kopf, die Chefin des Blumengeschäfts, von ihrer Erfahrung.

Die südafrikanische Protea bildet einen Kontrast zu den Gräsern.
Die südafrikanische Protea bildet einen Kontrast zu den Gräsern.

Entsprechend gelten auch fürs Selbermachen die Fragen als Ausgangspunkt: Mit welchen Farben und Materialien soll das florale Werkstück harmonieren? Mit einem glatten, honiggelben Parkettboden? Mit einer in Ehren ergrauten Holztür? Farben und Stil können aufgegriffen oder kontrastiert werden und erhalten in beiden Fällen mehr Wirkung. „Mit einer gegebenen Farbe kann gespielt werden. Rot kann beispielsweise mit dunkleren Rottönen abgedunkelt, aber auch ebenso mit Rosé aufgehellt werden. Wir suchen nach den ergänzenden und den Zwischentönen einer Farbe und nach Kontrasten: zum Beispiel hell-dunkel, warm-kalt oder nach Oberflächenstrukturen wie flauschig-glatt“, erklärt Kopf. Es geht also um das Spiel mit der Wechselwirkung unterschiedlicher Strukturen, Farben und Formen.

Bei der Gesamtkomposition eines Werkstücks darf man der Kreativität freien Lauf lassen: Eine vergoldete Schale trägt einen Gräserkranz, dessen Mitte exotische Blütenformen – die südafrikanischen Protea – bilden. So gelingt ein interessanter Mix verschiedener Welt- und Vegetationszonen. Das eigene Zuhause darf ruhig auch einmal anders erblühen.

Zinnien blühen in vielen Farben und lassen sich gut kombinieren.
Zinnien blühen in vielen Farben und lassen sich gut kombinieren.

Alternative für die Vase

Kopf zeigt den hauseigenen Garten neben dem Roten Haus, wo Sommerblumen wie Zinnien in „klein, groß und bunt“ wachsen, die sehr haltbare Gomphrena mit ihren kleinteiligen Blüten, Gräser wie Hirse oder Binsen, Goldbandleisten- und Blattährengras, außerdem Talinum, das sich besonders für feine, zierliche Sträuße eignet.

Traumfänger lassen sich ganz individuell gestalten.
Traumfänger lassen sich ganz individuell gestalten.

Die Strohröschen aus dem eigenen Anbau bieten sich für Kränze an – oder für Blumentraumfänger, die heuer besonders angesagt sind. „Als Unterbau nehmen wir zum Beispiel einen Metallreif, etwa vom Durchmesser eines großen Tellers. Dieser wird mit Grün umwickelt, und in der Mitte, von oben nach unten, wird an einem Metalldraht Blumiges aufgefädelt, etwa die orangefarbene Laternenblume, der Zweig einer kleinen Sorte Hagebutten oder Lavatera. Diesen Reif hängt man auf, er ist filigran und fällt trotzdem ins Auge“, erklärt Kopf. Statt klassisch einem Strauß für eine Vase empfiehlt sie eine Lösung, die eine ihrer Meisterfloristinnen, Sonja Engstler, für den Empfangsraum eines Büros gestaltet hat. Für eine sehr großzügige Glasschale hat sie eine Art lockeren Kranz geschaffen, und zwar hat sie Hagebuttenranken so ineinandergewunden, dass sie auf Draht verzichten konnte. Die Technik ähnelt dem Flechten, die Zweige werden stabil ineinander verkeilt. Für schöne Übergänge sorgen ansprechende Gräser. „Diese Schale kann man dann stehenlassen, bis die Weihnachtsdekoration ansteht. Dabei spart man sich das Wassertauschen wie bei einer Vase. Bedingung ist, dass die Materialien auch nach dem Trocknen ansehnlich sind.“

Wenn die eigenen Ideen nicht so recht sprießen wollen, man Inspiration oder Rat sucht, kann man sich getrost an die Floristinnen vom Roten Haus in Rankweil wenden. Sie haben nicht nur das entsprechende Know-how, die kreativen Eingebungen und das nötige Fingerspitzengefühl, sondern auch die passenden Vasen und Naturmaterialien – und, wenn es denn sein soll, auch den ganz klassischen Strauß.