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Wie gefährlich sind öffentliche Klos?

17.06.2020 • 09:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wie gefährlich sind öffentliche Klos?

Virus-belastete Aerosol-Wolken könnten eingeatmet werden.

Wenn es um Risikoorte für eine Corona-Ansteckung geht, könnten öffentliche Toiletten eine Rolle spielen. Das legt zumindest eine Studie chinesischer Wissenschaftler nahe, deren Ergebnisse im Fachblatt „Physics of Fluids“ veröffentlicht wurde. Die Forscher untersuchten, wie sich kleine Schwebeteilchen beim Spülen einer Toilette in der Luft verteilen.

Es sei möglich, dass Virus-belastete Aerosol-Wolken von anderen Menschen eingeatmet werden könnten, schließen sie. Studien zuvor hatten bereits gezeigt, dass der Stuhl von Infizierten Coronavirus-Material enthalten kann.

Detallierte Computermodelle

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„Man kann davon ausgehen, dass diese Geschwindigkeit noch höher ist, wenn eine Toilette häufig benutzt wird, so etwa bei einer Familientoilette oder einer öffentlichen Toilette in einem dicht besiedelten Raum“, erklärte Ko-Autor Ji-Xiang Wang. Die Lösung sei indes einfach: Klodeckel vor dem Spülen schließen.

Im Magen-Darm-Trakt vermehrt

Wendtner selbst hatte zusammen mit dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charite eine Analyse im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht, in der der Infektionsverlauf von neun deutschen Patienten rekonstruiert wurde. Dabei wurde gezeigt, dass sich SARS-CoV-2 vermutlich auch im Magen-Darm-Trakt vermehrte. Im Stuhl der Patienten ließen sich indes keine infektiösen Viren dokumentieren. „Das ist allerdings bei Stuhlproben immer schwer, weil E.-coli-Bakterien immer alles andere überwuchern“, merkt Wendtner an. „Wir konnten aber keine replikationsfähigen Viren nachweisen.“

Nichtsdestotrotz kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass auch von fäkalen Ausscheidungen ein Infektionsrisiko ausgeht. Das ist zumindest die Warnung von Forschern des US-amerikanischen Swedish Medical Centers, die in einer Metaanalyse 29 Studien zu gastrointestinalen Folgen einer Covid-19-Erkrankung mit 4.805 Patienten ausgewertet haben. Wie sie im Fachblatt „JAMA Network Open“ berichten, gehörten bei mehr als zehn Prozent aller Infizierten Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen zu den Symptomen.

Unabhängig davon zeigte sich bei 40 Prozent der Erkrankten das Virus im Stuhl. „In unserer Analyse einiger Studien, in denen SARS-CoV-2-RNA aus dem Stuhl isoliert wurde, könnte der fäkal-orale Übertragungsweg eine zusätzliche potenzielle Quelle für die Ausbreitung von Infektionen sein“, fassen die Mediziner zusammen. Ein womöglich entscheidendes Detail dabei: Nur eine Studie habe von lebensfähigen Viren im Stuhl berichtet und das auch nur in zwei von 153 Stuhlproben. Über totes Virenmaterial aber ist keine Ansteckung möglich.

Für die Wissenschaftler sind die Magen-Darm-Probleme daher vor allem weitere Symptome, auf die Ärzte im Zuge einer Corona-Infektion achten sollten; und das vor allem auch mit Blick auf entsprechende Tests. Auch Clemens Wendtner merkt an, dass Stuhlproben gerade bei Kindern ein diagnostisches Mittel sein könnten. Mit Blick auf das Ansteckungsrisiko stelle die Toilettenproblematik eher einen Nebenschauplatz dar.