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Studie für Covid-Medikament startet

12.10.2021 • 11:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
An Medikamenten gegen das Coronavirus wird derzeit vielerorts geforscht
An Medikamenten gegen das Coronavirus wird derzeit vielerorts geforscht alphaspirit – stock.adobe.com

Studie, bei der das Präparat inhaliert werden soll, startet in Österreich.

Während Impfstoffe gegen das Coronavirus sehr schnell entwickelt wurden, wird an speziellen Covid-Medikamenten noch geforscht. Eines dieser Präparate ist das sogenannte Penninger-Medikament. Der offizielle Name lautet APN01. Entwickelt wurde das Präparat vom Genetiker Josef Penninger während des Sars-Ausbruchs 2003 – deswegen auch der unkonventionelle „Rufname“.

Tief einatmen

Die Entwickler gaben nun den Beginn einer Phase-1-Studie zur Inhalation von APN01 bekannt. Die Placebo-kontrollierte Studie sieht den Einschluss von 40 gesunden Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Österreich vor, um die Sicherheit und Verträglichkeit von APN01 zu untersuchen. Das Medikament soll dabei inhaliert werden

APN01 wurde entwickelt, um SARS-CoV-2 in der Lunge von Covid-19-Patienten zu neutralisieren und dadurch infektionsbedingte Lungenschäden zu mildern. Primäres Studienziel ist die Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit von ansteigenden Einzeldosen und ansteigenden mehrmaligen Dosen von inhaliertem APN01 bei Verabreichung über einen Düsenvernebler an gesunde Probanden.

Behandlung selbst durchführbar

Romana Gugenberger, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Apeiron Biologics, erklärt: „Der Start unserer Studie mit APN01 ist ein wichtiger nächster Schritt im Entwicklungsprogramm. Die Verabreichung einer inhalativen Therapie anstelle einer Infusion ermöglicht es Patienten in frühen Krankheitsstadien die Behandlung selbst anzuwenden, was Kosten senken und Risikokontakte für das Gesundheitspersonal verringern kann. Diese Studie bildet nicht nur die Grundlage für die Behandlung von Covid-19, sondern eröffnet auch Entwicklungsstrategien für weitere chronische Atemwegserkrankungen mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf wie etwa chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und pulmonale arterielle Hypertonie (PAH).“

Bisherige Studienergebnisse mit APN01 stimmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler optimistisch, dass die Inhalation dieses Medikaments erhebliche Vorteile für Erkrankte bringen könnte. Markus Zeitlinger, Abteilung für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien und Studienleiter, sagt dazu: „Ziel der Studie ist es, die Verabreichung von APN01 durch Inhalation zu untersuchen. Die Verabreichung des Wirkstoffs direkt in die Atemwege soll das Eindringen des Virus in die Lungenzellen blockieren und die Entzündung kontrollieren. Insbesondere könnte APN01 auch gegen Infektionen mit Varianten von Sars-CoV-2 geeignet sein, wie bereits präklinisch gezeigt wurde.“

Weitere Studie in den USA

Apeirons bereits abgeschlossene Phase-2-Studie mit intravenös verabreichtem APN01 zeigte eine signifikante Verbesserung bestimmter Parameter durch die Behandlung mit APN01 im Vergleich zu Placebo. Parallel zur Inhalationsstudie soll die intravenöse Gabe von APN01 in einer Phase-2-Studie in den USA untersucht werden. Daran nehmen etwa 1.600 Covid-19-Patientinnen und Patienten an mehr als 50 Standorten in den USA teil.

APN01 ahmt die natürliche Form von ACE2 nach. Dabei handelt es sich um einen Rezeptor, der als essenzielles zelluläres Eintrittstor für das Sars-CoV-2 Virus in die Zelle gilt und eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Covid-19 spielt. Das Virus bindet mittels seiner Spike-Proteine an das ACE2 auf den menschlichen Zellen, um in diese einzudringen. APN01, die lösliche Form von ACE2, kann die Bindung des Virus-Spike-Proteins an den Zelloberflächenrezeptor und damit die Infektion von Zellen verhindern.