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Audi und Porsche stehen ante portas

09.10.2021 • 11:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Audi und Porsche könnten schon bald als Motorenlieferanten einsteigen.
Audi und Porsche könnten schon bald als Motorenlieferanten einsteigen. GEPA pictures

Vorzeichen stehen gut, dass beide VW-Marken 2026 in Formel-1 einsteigen.

Sind ab 2026 wieder zwei große deutsche Automobilhersteller als Motorenlieferanten in der Formel 1 vertreten? Dieses Wochenende sollen in der Türkei die endgültigen Beschlüsse gefasst werden. Schon vor vier Wochen in Monza wurde ausgiebig über die Eckpfeiler eines neuen Motorenreglements diskutiert, da deuteten sich Wege an, den VW-Marken Audi und Porsche die Tür zu öffnen.

Die etablierten Hersteller Ferrari, Mercedes, Renault und Honda-Nachfolger Red Bull zeigten da, dass sie willens sind, sich auf einen Kompromiss einzulassen, um ab 2026 neue Interessenten ins Boot zu locken. Die Botschaft an die FIA, die Formel-1-Bosse sowie Audi und Porsche war klar: Wir geben nur etwas von unserem Erfahrungsvorsprung auf, wenn sich die VW-Marken oder andere Interessenten langfristig verpflichten. Das heißt mindestens fünf Jahre.

Wenn das Paket jetzt verabschiedet wird, wäre das also praktisch gleichbedeutend mit dem Einstieg der beiden deutschen Premiummarken.
Vor allem Mercedes hat eingelenkt. Die Stuttgarter bestanden bis zuletzt auf den Abgas-Generator MGU-H zur Energiegewinnung. Ein hoch kompliziertes und teures Bauteil, das so in der Serie keine Anwendung findet – aber eines der Erfolgsgeheimnisse von Mercedes in der Formel 1 ist.

Mercedes verzichtet auf die geforderte MGU-H

Um das große Ganze zu fördern, verzichtet der Stuttgarter Konzern jetzt auf die vorher geforderte MGU-H. Die mögliche Lösung, mit der die beiden anderen deutschen Großkonzerne sehr gut leben können: Sechs Zylinder, Standard-Motorblock, bis zu 50 Prozent der Leistung kommt aus der Elektro-Maschine, MGU-K, die frei werdende kinetische Energie beim Bremsen speichert, Verzicht auf Durchflussmengenbegrenzung, Kostensenkung auf eine Million Euro pro Antriebseinheit, nachhaltiger Sprit, also eFuels oder Bio-Benzin.

Für die Hersteller ist diese Kombination aus Hybrid mit starkem Elektroanteil und eFuels/Bio-Benzin die Chance, den nächsten Schritt auf dem Weg zur Mobilität der Zukunft zu gehen und dabei trotzdem nicht allein auf Elektromobilität zu setzen. Und im gleichen Atemzug die gigantische Marketingplattform Formel 1 zu nutzen, um weltweit Glamour-Image zu verbreiten, so für höhere Verkaufszahlen zu sorgen …
Einziger Wermutstropfen: Mit den CO2-neutralen Kraftstoffen geht es sehr langsam voran. 2022 wird der Anteil gerade mal von fünf auf zehn Prozent erhöht.

FIA-Präsident Jean Todt regte Zwischenschritt an

FIA-Präsident Jean Todt regte an, dass man 2023 in der Formel 1 in einem Zwischenschritt E50-Benzin einführt – also mit 50-prozentiger Biosprit-Beimischung. Formel-1-Chef Stefano Domenicali hat den Vorschlag begrüßt, aber es wird wohl nicht passieren. Den Machern der Formel 1 sind die Hände gebunden, denn die Hersteller wehren sich gegen eine vorzeitige Einführung, weil die aktuelle Antriebsgeneration eine Anpassung ohne immense Kosten und Zeitaufwand nicht zulässt. Für den Sprung um nur fünf Prozent für 2022 rechnet Honda mit Kosten von 50 Millionen Euro.

Der VW-Konzern sitzt die ganze Zeit sowohl mit Porsche als auch Audi am Verhandlungstisch der Formel 1. In der Szene gilt als so gut wie sicher, dass man mit einem Konzernmotor, aber mit beiden Marken einsteigen will. Logisch wäre ein Engagement mit Porsche bei den beiden Red-Bull-Teams, Audi könnte in McLaren einen passenden Partner finden. Manche träumen da sogar schon von mehr, von einer Beteiligung der Ingolstädter am Team und Zusammenarbeit mit den Briten beim Bau eines Supersportwagens für die Straße, der dann auch Image und Nachhaltigkeit verbinden soll.

Alpha-Tauri-Teamchef Franz Tost sieht die Formel 1 auf dem richtigen Weg: „Wenn uns das jetzt gelingt, diese Reglementvorschläge umzusetzen, und es sieht ja im Moment so aus, werden wir 2026 neue Hybridmotoren mit abgasfreiem Bio-Sprit für den Verbrennungsmotor haben. Das sollte dann auch ein Forschungslabor für die Automobilindustrie sein“, sagte er kürzlich bei F1-Insider.com.