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Metaller übergeben ihre Lohnforderungen

23.09.2021 • 13:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeitgeber-Obmann Christian Knill (L.) und PRO-GE Chefverhandler Rainer Wimmer im Rahmen des Starts der Metaller KV-Verhandlungen
Arbeitgeber-Obmann Christian Knill (L.) und PRO-GE Chefverhandler Rainer Wimmer im Rahmen des Starts der Metaller KV-Verhandlungen APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Metaller fordern, dass Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent steigen.

Die Stimmung beim Auftakt der wichtigen Metaller-Lohnrunde war schon einmal weniger entspannt als heuer. So schnell wie im Krisenjahr 2020, als sich die Verhandler blitzartig einigten, werden die Gespräche heuer aber nicht über die Bühne gehen. Um 11:00 Uhr hatten die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA ihre Forderungen für die Kollektivvertragsverhandlungen in der Metalltechnischen Industrie übergeben. Um 12 machten die Belegschaftsvertreter ihre Forderungen dann auch öffentlich. PRO-GE-Chef Rainer Wimmer: „Die wirtschaftliche Lage in der Metallindustrie war ja außergewöhnlich gut. Wir haben ein kräftiges Wachstum, volle Auftragsbücher, die Unternehmen verdienen gutes Geld.“ Zudem verwies er auf die „horrend hohe Inflation“. „Wir brauchen heuer einen ordentlichen Reallohnzuwachs“, begründete Wimmer die Forderung nach 4,5 Prozent mehr Lohn. Man fordere nichts, was man nicht gut begründen könne: „Es gibt ein hohes Produktivitätswachstum und niedrigere Lohnstückkosten,“ so Wimmer.

Zur Ausgangslage: Die Jahresinflationsrate der vergangenen zwölf Monate, die neben dem Produktivitätszuwachs die Verhandlungsbasis für den jährlichen Kollektivvertrag (KV) bildet, lag bei 1,89 Prozent. Aktuell beträgt die Teuerungsrate 3,2 Prozent. Im Vorjahr wurde bei einer Jahresinflationsrate von 1,4 Prozent mit einem KV-Plus von 1,45 Prozent abgeschlossen. Der Mindestlohn in der Metallindustrie liegt bei 2.000 Euro brutto.

Gefordert wird von den Arbeitnehmervertretern eine kräftige Lohn- und Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent. Außerdem sollen die Zulagen für die Nachtschicht erhöht werden, vor allem jene der 2. und 3. Schicht. Zuletzt soll das Lehrlingseinkommen kräftig erhöht werden, um mehr junge Menschen für Metall-Jobs zu begeistern. Konkret will die Gewerkschaft 1000 Euro im ersten Lehrjahr, 1300 Euro im zweiten, 1600 Euro im dritten und 2000 Euro im vierten.

„Hätten uns mehr Verantwortungsgefühl gewünscht“

FMTI-Obmann Knill reagierte im Gespräch mit der Redaktion kritisch auf die Forderungen der Gewerkschaft. „Ich war nicht so überrascht davon, dass es mich vom Sessel gerissen hätte, aber ich hätte mir von der Gewerkschaft schon mehr Verantwortungsgefühl gewünscht.“ Die Forderungen seien aus seiner Sicht „vollkommen überzogen“. Die Gewerkschaft operiere so, „als ob es kein gestern und kein heute gibt“, so Knill, der auf den tiefen Einbruch 2020 verweist, der Produktionswert in der metalltechnischen Industrie sei um elf Prozent eingebrochen, heuer liege das Plus bei 9,3 Prozent, das zeige: „Die Krise ist noch nicht vorbei“. Es werde bis 2022 dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, sagt Knill.

„Fordern nichts, was wir nicht begründen können“

Rainer Wimmer, Chef der Produktionsgewerkschaft, kontert: „Wir fordern immer sehr nahe an der Realität und glauben, dass ein Lohnplus von 4,5 Prozent machbar ist. Wir fordern nichts, was wir nicht begründen können.“ Die Wirtschaft, insbesondere die Industrie, habe sich sehr stark erholt, die Ökonomen, so Wimmer, hätten die Arbeitnehmervertreter mit ihren Prognosen geradezu aufgefordert und bestärkt, eine höhere Reallohnerhöhung durchzusetzen.

Das Metallgewerbe hat seine Wünsche bereits am Dienstag überreicht, Details dazu gibt es noch nicht.

Arbeitgeber auf der Bremse

Bereits vergangene Woche hatten die Arbeitgeber bereits ihre Verhandlungsposition dargelegt: Die Produktion wird heuer lediglich knapp das aufholen, was im Vorjahr verloren gegangen ist – auf den Margen lasten die Lieferengpässe und die Lohnstückkosten liegen deutlich über dem Schnitt in der Eurozone. Ein Abschluss der Kollektivvertragsverhandlungen „mit Vernunft und Augenmaß“ sei daher nötig, so Christian Knill, Obmann der Arbeitgeberseite und Industrieller in der Steiermark.

Vorsicht vor zu starker Euphorie

Wirtschaftsforscher Helmut Hofer vom IHS wiederum meinte: „Man erwartet ja auch für nächstes Jahr ein relativ gutes Bild, also ist zweieinviertel Prozent sicherlich tragbar und wird wahrscheinlich sogar höher werden, nehme ich an.“ Zur Erklärung: Die Basis für die Verhandlungen ist die Jahresinflationsrate von 1,89 Prozent, dazu kommt noch die gestiegene Produktivität. Nachdem die Teuerung über lange Zeit stabil bei unter zwei Prozent gelegen ist, hat sie zuletzt deutlich Fahrt aufgenommen, aktuell beträgt sie 3,2 Prozent.

Die hohe Inflation berge in Hinblick auf die Lohnverhandlungen eine „gewisse Gefahr“, erklärte der Volkswirtschaftsprofessor Michael Steiner gegenüber der Redaktion. „Man muss schon aufpassen, dass man da nicht in eine zu starke Euphorie verfällt.“ Eine Lohn-Preis-Spirale – sehr hohe Lohnabschlüsse, die wiederum die Preise befeuern – gelte es zu verhindern. Die jüngsten Inflationszahlen seien aus seiner Sicht „nicht so erschreckend, wie es aussehen mag. Er rechne dennoch mit einem „ordentlichen Lohnabschluss“, dem aber heuer durchaus intensive Verhandlungen vorausgehen dürften.