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EU schränkt Tätowierungen ein

23.09.2021 • 13:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heavily tattooed mature male
Getty Images

Anfang 2022 werden in der EU viele Farben für Tätowierungen verboten.

Der Hype um Tätowierungen ist gewaltig und ein Ende wäre eigentlich nicht in Sicht. Bei der Körperkunst gilt häufig: je bunter, größer und auffälliger, desto besser. Vor allem bei Musikern, Profisportlern oder auch vielen Influencern ist das Tattoo heiß begehrt und weckt diese Begehrlichkeiten entsprechend auch beim Publikum. Bei den unter 35-Jährigen ist jeder Fünfte tätowiert – Tendenz steigend. Diese Zahl stammt von der Europäischen Chemikalienagentur (Echa). In Österreich ist laut Branchensprecher Erich Mähnert sogar knapp jeder vierte tätowiert – meist von einem der rund 1400 im Land zugelassenen Nadelkünstlerinnen.

Doch in der Branche herrscht Unmut und die Sorge vor einem abrupten Ende des farbenfrohen Trends. Denn die Europäische Union, genauer gesagt die Echa, wird mit Jänner 2022 eine ganze Reihe dieser Farben im EU-Raum verbieten. Begründet wird dies mit potenzieller Gesundheitsgefährdung.

Bei der Echa heißt es dazu: „Die Beschränkung betrifft zum Beispiel Chemikalien, die Krebs oder genetische Mutationen verursachen, fortpflanzungsgefährdende Chemikalien sowie Hautallergene und Reizstoffe.“ Mehr als 4000 Inhaltsstoffe sind von der Verordnung erfasst. Ziel sei nicht, Tätowierungen zu verbieten, sondern Tätowierfarben und Permanent Make-up sicherer zu machen.

EU schränkt Tätowierungen ein
Katharina Maitz

Gerade den Sicherheitsaspekt sieht Mähnert aber durch die Verordnung gefährdet: „Wir haben die höchsten Hygiene-Standards und die Farben, die wir in Österreich verwenden, müssen überprüft werden.“ Wenn seine Kunden bei ihm nicht mehr die Hautbilder bekommen, die sie wollen, weichen sie ins EU-Ausland oder in den Untergrund aus, fürchtet Mähnert, der selbst am ganzen Körper tätowiert ist. Und dort wären die Tattoos viel unsicherer, ist er überzeugt.

Kräftige Farben bereiten Sorgen

Zudem beklagt der Branchensprecher, dass längere und mehr Übergangsfristen notwendig gewesen wären. „Ich mache gerade den gesamten Rücken eines Kunden und werde sicher nicht vor dem Jahreswechsel damit fertig. Was soll ich dem dann sagen?“

Grundsätzlich gilt mit Inkrafttreten der Verordnung: Vor allem kräftige Farben wie Blau-, Grün-, oder Rottöne werden nicht mehr verfügbar sein, denn diese seien besonders problematisch. „Da sind häufig instabile Verbindungen dabei, die in Kohlenwasserstoffe zerfallen, wenn sie Sonnenlicht ausgesetzt sind. In der Krebsforschung stehen diese Bestandteile auf der Liste der cancerogenen Stoffe ganz oben“, erklärt der Biochemiker und Krebsforscher Florian Überall. Er wolle diese Körperkunst nicht generell verbieten, aber „es ist den wenigsten Menschen klar, welchen Risiken sie sich damit aussetzen.“ Diese beginnen bei allergischen Reaktionen und können im schlimmsten Fall Krebs verursachen, meint er.

„Diese Studien möchte ich gerne sehen“, entgegnet Mähnert. Die Wissenschaft ist sich diesbezüglich nicht ganz einig, vor allem Langzeitstudien würden fehlen, es müsste dringend mehr dazu geforscht werden. Das sieht auch Überall so: „Wir konnten einen direkten Zusammenhang mit Krebs bisher nicht nachweisen, es gibt aber starke Hinweise darauf.

Für den Biochemiker ist es nicht nachvollziehbar, warum sich Menschen tätowieren lassen wollen und damit freiwillig ein Gesundheitsrisiko auf sich nehmen. Jenen, die das trotzdem wollen, rät er: „Meiden sie empfindliche Stellen, starke Farben, UV-Strahlung und großflächige Motive.“ Deutlich schlimmer als Tattoos ist ihm zufolge aber das Entfernen selbiger. „Durch die Laserbestrahlung brechen die Pigmente auf und werden noch kleiner. So gelangen sie in Blutbahnen und verbreiten sich im ganzen Körper. „Wir haben schon schwarz gefärbte Lymphknoten gesehen“, erzählt er. „Das kann nicht gesund sein.“