Allgemein

Arbeitnehmer als Verlierer der Krise

23.09.2021 • 12:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arbeitnehmer als Verlierer der Krise
nmann77 – stock.adobe.com

Arbeiterkammer hat sich die Verteilung der finanziellen Belastung angeschaut.

In den Verhandlungen über die Details der geplanten Steuerreform geht es nun ans Eingemachte. Die knappe Erkenntnis von AK-Direktor Christoph Klein aus den Berechnungen der Arbeiterkammer: „Jetzt ist nicht die Zeit für Steuergeschenke an die Wirtschaft, jetzt sind die Arbeitnehmer dran.“

Die Arbeiterkammer wollte wissen, wer die wirtschaftliche Hauptlast der Coronakrise trägt, und hat sich deshalb die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Statistik Austria angesehen. „Die Zahlen haben uns selber verblüfft“, sagt AK-Direktor Christoph Klein. Der Schluss, den die AK aus den Zahlen zieht, ist dennoch nicht überraschend: Verlierer der Coronakrise seien vor allem die Arbeitnehmer, während die Unternehmen insgesamt von einer Überförderung profitiert hätten.

Für ihre Analyse haben sich die AK-Ökonomen die Primärseite der Verteilungsrechnung angesehen und dabei den Arbeitnehmern die Arbeitnehmerentgelte zugerechnet, nämlich brutto mit Beiträgen zur Sozialversicherung inklusive Dienstgeber-Beiträgen, Unfallversicherung und Krankenversicherung.

Auf der Unternehmensseite wurden die Bruttobetriebsüberschüsse – im wesentlichen Gewinne und Abschreibungen – verbucht. Auch die Selbstständigen-Einkommen wurden hier dazugezählt. „Was der Arbeitgeber an Steuern zahlt, wie Körperschaftsteuer, Einkommenssteuer ist sozusagen im Unternehmenseinkommen enthalten.“

Alles zusammen sei die Bruttowertschöpfung, „das ist das, was im Land produziert wird“, erklärte Klein. „Da schneidet natürlich der Staat auch noch mit, mit Gütersteuern, insbesondere der USt und sonstigen Produktionsabgaben, zum Beispiel dem FLAF-Beitrag.“

Die AK hat den Zeitraum vom 1. April 2019 bis 31. März 2020 – „die Zeit, als die Welt noch in Ordnung war“ – mit dem Zeitraum vom 2. Quartal 2020 bis zum 1. Quartal 2021 verglichen. In dieser Zeit ist das Bruttoinlandsprodukt um 20,8 Mrd. Euro gesunken, von 396,3 Mrd. auf 375,5 Mrd. Euro. „Dass der Staat um 20,4 Mrd. Euro weniger hat, ist einleuchtend“, so Klein. Davon seien 16,7 Mrd. Euro zusätzliche Subventionen, „die ganzen Coronahilfen, deren Sinnhaftigkeit niemand bezweifelt, haben einfach einen Haufen Geld gekostet“.

Unternehmereinkommen gestiegen

Während jedoch wegen Corona auf der Arbeitnehmerseite durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, aber auch weniger Überstunden in Summe um 5,5 Mrd. Euro weniger verbucht wurden, seien die Unternehmereinkommen in dieser Zeit um 5,1 Mrd. Euro gewachsen. „Das ist sicherlich ein zarter Hinweis auf eine Überförderung“, meinte Klein im Gespräch mit der APA. Viele Unternehmen seien mit den Förderungen „sehr gut über die Runden gekommen“.

Dabei könne man nicht genau sagen, welche Branchen profitiert hätten, sagte Klein zur APA. Gewisse Branchen seien auch in der Coronazeit ausgesprochen gut gelaufen, etwa der Bau, die Industrie und der Lebensmittelhandel.

Die Schlussfolgerung, die Klein daraus zieht: „Jetzt ist in der laufenden Steuerreform-Diskussion nicht die Zeit für Steuergeschenke an die Wirtschaft, sondern jetzt sind die Arbeitnehmer dran. Das gilt auch für die anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen.“

„Konjunktur nicht abwürgen“

Eine rasche Rückführung der gestiegenen Staatsschulden ist nach Ansicht der Arbeiterkammer nicht vordringlich. Jetzt sofort Einschnitte beim Sozialstaat und bei Investitionsförderungen oder Steuererhöhungen vorzunehmen, „halten wir nicht für sinnvoll“. Im Moment gehe es darum, „das zarte Konjunkturpflänzchen nicht wieder abzuwürgen“.