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FPÖ-Video enthält Desinformation

17.09.2021 • 18:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Es ist falsch, dass hauptsächlich Geimpfte auf den Intensivstationen liegen, der überwiegende Großteil der Patienten ist nicht oder nicht vollständig geimpft
Es ist falsch, dass hauptsächlich Geimpfte auf den Intensivstationen liegen, der überwiegende Großteil der Patienten ist nicht oder nicht vollständig geimpft APA/Helmut Fohringer

Mit Falschinterpretation von Daten macht FPÖ Stimmung gegen die Covid-Impfung.

Das Impftempo wird in Österreich langsamer, die Diskussionen nehmen an Fahrt auf. Während immer neue Initiativen gestartet werden, um noch mehr Menschen zum Impfen zu bewegen, veröffentlichte die FPÖ ein Video, das eindringlich vor dem Impfen warnt und den Impfstoffen die Effektivität abspricht.

In dem Video mit über 200.000 Views greift FPÖ-Parteichef Herbert Kickl auf mehrere Falschinformationen als Argumente zurück. Darunter auch ein Interview, wonach der Großteil aller Intensivpatienten in Österreich geimpft sein soll.

Doch der Faktencheck zeigt: Die Covid-Impfungen sind effektiv, auch die von Kickl verwendeten Daten zeigen das. In Österreich liegen zu einem sehr großen Teil Ungeimpfte auf Intensivstationen. Wie groß der Anteil Geimpfter an Testungen ist, kann derzeit nicht genau gesagt werden. Allerdings machen freiwillige Testungen in Teststraßen nur einen kleinen Teil der erfassten Fälle aus. Krankenhäuser erfassen Covid-Intensivpatienten unterschiedlich. Tatsächlich können auch zum Beispiel Unfallpatienten in die Covid-Statistik einfließen, dies ist laut kontaktierten Spitälern allerdings nur selten der Fall.

Daten aus Israel belegen Effektivität der Impfung

FPÖ-Chef Kickl bezieht sich auf Daten aus Israel, um eine vermeintliche Ineffektivität der Impfung aufzuzeigen. Immerhin handelte es sich laut einem „Science“-Artikel bei einer Mehrheit von 59 Prozent der 514 hospitalisierten Personen (Stand 15. August) um Geimpfte. Dies belegt kein Scheitern der Impfstoffe, sondern ist der hohen Impfquote in Israel geschuldet. Je mehr Menschen geimpft sind, desto größer wird ihr Anteil an Hospitalisierungen – vor allem, wenn es sich um die Impfquote in vulnerablen Gruppen handelt.

Die Erklärung liefert Kickl selbst, denn auch er spricht davon, dass sich 87 Prozent dieser Impfdurchbrüche bei Personen im Alter von über 60 Jahren ereignet haben. Alte Personen sind nicht nur anfälliger für die Covid-Erkrankung, sie wurden in Israel auch sehr früh geimpft und könnten deshalb bereits über einen schwächeren Impfschutz verfügen.

Bereits am 15. August waren laut dem israelischem Gesundheits-Dashboard über 90 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahren doppelt geimpft. Die Menge der Geimpften ist in dieser für die Krankheit anfälligen Gruppe daher viel größer als die Gruppe der Ungeimpften, weshalb die beinahe ausgeglichene Lage bei Hospitalisierungen eindeutig für den Schutz der Impfung spricht. Ein wenig mehr als 50 Prozent hatten damals bereits die dritte Dosis erhalten.

Die vom FPÖ-Chef erwähnten Zahlen sind zudem nicht mehr aktuell. Laut den Daten des israelischen Dashboards stellen seit Ende August Ungeimpfte den Großteil an schweren Verläufen. Der Anteil der Geimpften sinkt vor allem mit dem Anstieg der Impf-Auffrischungen.

Es liegen nicht hauptsächlich Geimpfte auf Intensivstationen

Für eine weitere Behauptung bezieht sich Kickl auf die Informationen des Gesundheitsökonomen Gerhard Pöttler, der in der Vergangenheit als Geschäftsführer einiger Gesundheitseinrichtungen gearbeitet hat. Dieser behauptete in einem am 6. September publizierten Interview unter Berufung auf „vertrauliche Quellen“, dass mittlerweile größtenteils Geimpfte auf Intensivstationen lägen.

Die Austria Presse Agentur konnte diese Angaben nach Rückfragen beim AKH Wien, dem Uniklinikum Salzburg, dem Kepler Uniklinikum und der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft nicht bestätigen. Dort liegen größtenteils Ungeimpfte auf den Intensivstationen. Zudem erklärten alle Gesundheitseinrichtungen, keinerlei offiziellen Kontakt zu Herrn Pöttler zu haben. Gerhard Pöttler reagierte auf eine APA-Anfrage nicht.

Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft informierte, dass mit Stichtag 9. September 20 Menschen mit Covid-Erkrankungen auf steirischen Intensivstationen lagen. Davon waren 14 nicht geimpft und eine der sechs geimpften Personen lag nicht aufgrund der Covid-Erkrankung auf der Station.

Auch das Kepler Uniklinikum widerspricht den Behauptungen. Die Mehrheit der Intensivpatienten sei ungeimpft. Zu diesem Thema veröffentlichte Bernd Lamprecht vom Uniklinikum unlängst erst ein Videostatement. Niemand der aktuell acht Intensivpatienten habe einen vollen Impfschutz.

Das Uniklinikum Salzburg erklärte, dass sich Stand 13. September vier Personen auf der Intensivstation befänden, darunter sei niemand geimpft. Seit Beginn der vierten Welle hätte es im Uniklinikum keine Geimpfte gegeben, die aufgrund einer Covid-Erkrankung auf der Intensivstation behandelt werden mussten.

Die Stadt Wien verkündete zuletzt auf Twitter, dass sich am 7. September 64 Covid-Patienten in Intensivpflege befanden, 95,3 Prozent waren nicht vollständig geimpft. Das AKH Wien bestätigte diesen Wert auf Anfrage. Laut Standard waren in ganz Österreich mit 7. September 88 Prozent der 172 Covid-19-Intensivfälle nicht geimpft.