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Die Millionenfrage der Pandemie

14.09.2021 • 11:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
CORONA-IMPFUNG: START DER IMPFUNGEN IM KAUFHAUS GERNGROSS
APA/ROLAND SCHLAGER

In den nächsten Wochen müsste eine Million Menschen geimpft werden.

Es ist ein Kampf gegen die Zeit – und ein Kampf mit der Statistik. Andere Länder wie Dänemark und Großbritannien, Portugal oder Spanien haben bereits drei Viertel und mehr ihrer Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft.

Je mehr Geimpfte, desto schneller stoßen Viren-Cluster an Grenzen der Ausbreitung. Je mehr Geimpfte, desto weniger werden die Intensivstationen mit Covid-Kranken belegt. Und je mehr Geimpfte, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass deswegen Schulen, Lokale, Kinos oder Geschäfte noch einmal zusperren müssen.
Aktuell haben 5,6 Millionen Menschen in Österreich zumindest die erste Schutzimpfung erhalten – 62,8 Prozent, zu wenig, um an Lockerungen zu denken. Im Gegenteil, ab Mittwoch treten wieder schrittweise neue Verschärfungen in Kraft.

Das Ziel: Zehn Prozent mehr Geimpfte binnen Wochen

„Es muss uns gelingen, in den kommenden Wochen eine zusätzliche Million Menschen zu impfen“, hatte Simulationsexperte Nikolas Popper kürzlich gegenüber der Redaktion empfohlen; am Montag sprach sich auch Virologin Dorothee von Laer für eine Impfkampagne aus: Ungefähr zehn Prozent der Einwohner müssten sich noch impfen lassen oder aber eine Infektion durchmachen, „damit wir die Pandemie für beendet erklären können.“

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die Politik aktuell an niederschwelligen Impfangeboten: So werden ab heute in Wien „Impfbusse“ vor Schulen aufgestellt, um besonders die Jungen zu erreichen. Anderswo lockt man mit Belohnungen: An der burgenländischen Impflotterie für Immunisierte haben bisher fast 14.000 Menschen teilgenommen. Ähnliches gibt es auch privat: Das Grazer Lichtunternehmen XAL verlost unter geimpften Mitarbeitern Sonderurlaubstage.

Wer die Ungeimpften sind

Wer sind die Ungeimpften? Wie aktuelle Zahlen des Corona-Panels der Universität Wien zeigen, gibt es eindeutige Faktoren: Jüngere Menschen sind eher zögerlich, was die Impfung angeht als ältere. Menschen mit geringen Einkommen sind ebenso überrepräsentiert unter den Zögerlichen wie solche, die nicht gewählt haben (oder nicht wählen dürfen).

Geringer ausgeprägt sind die Indikatoren Migrationshintergrund (eher weniger bereit), Geschlecht (Frauen sind skeptischer) und Bildungsgrad (Hochschulabsolventen sind häufiger geimpft). Und wer der Regierung (oder dem ebenfalls abgefragten ORF) misstraut, tendiert eher zur Impfskepsis.

Wie man die Zögerlichen noch erreicht

Wie man solche Gruppen noch überzeugt? Bezüglich einer breiten Kampagne sind Experten skeptisch: „Die generelle Stimmungslage dreht man mit keiner Werbekampagne, dazu sind die Fronten schon viel zu verhärtet“, sagt Stefan Sengl, Geschäftsführer der PR-Agentur Skills, zur Redaktion.

Am ehesten Chancen böte eine auf ungeimpfte Teilzielgruppen zugeschnittene Informationsarbeit, in denen Menschen, denen diese Gruppen vertrauen, zu Wort kommen – kombiniert mit dem niederschwelligen Impfangebot. „Das Problem dabei ist, dass diese Form der Kampagnenarbeit relativ vorbereitungsintensiv ist“, sagt Sengl – „insofern ist man eigentlich zu spät dran, wenn man damit jetzt erst anfängt.“