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Autoabos nehmen an Fahrt auf

14.09.2021 • 13:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
VWs neues Elektro-Auto ID.3
VWs neues Elektro-Auto ID.3 AFP

Das Autoabo ist das Thema der Stunde in der Mobilitätsbranche.

Alle tun es. Lokale Händler wie Vogl+Co genauso wie österreichweit tätige Unternehmen wie Denzel, Importeure wie die Porsche Holding über die Porsche Bank, Autohersteller wie Toyota, Porsche, Mercedes, Renault und die Chinesen mit Marken wie Lynk. Über allem schwebt der Gedanke, ein Netflix, ein Spotify der Autowelt zu erschaffen.

Inzwischen geben sogar branchenfremde Unternehmen wie Tchibo – ja, der Kaffeeröster – ihre Namen her, und steigen aus Marketinggründen kurzfristig ins Abogeschäft ein. Möglich ist das, weil hinter dem Boom eine Reihe von IT-Plattformen stehen, die Software für die Abwicklung von Autoabos programmiert haben – und diese für alle zur Verfügung stellen. Das Autoabo ist also das Thema der Stunde in der Branche. Weil die Verunsicherung unter den Kunden immer größer wird, wie es weitergeht.

Sperren Städte zu? Kann ich mir noch einen Verbrenner kaufen? Das Sorglospaket samt Kostenkontrolle – also ohne Servicekosten, inklusive Versicherung, ohne Restwert-Kopfschmerzen wie beim Leasing – schaut auf den ersten Blick teurer aus. Die Laufzeit (unter 6, 12 Monate, bis 24 Monate) ist aber kürzer als beim Leasing und richtet sich an spezielle Kundenbedürfnisse. Flexibel und ohne längere Bindung.

Rafael Krammer und Anja Gruber (Vogl+Co)
Rafael Krammer und Anja Gruber (Vogl+Co)Kleine Zeitung

Rafael Krammer, der mit Anja Gruber das Thema Autoabo und Carsharing bei Vogl+Co aufgebaut hat, erklärt: „Im Vergleich zum Leasing sind wir ein paar Prozent teurer, aber beim Autoabo ist alles inklusive. Der Kunde bucht zum Beispiel 24 Monate ein kleines Auto, weil er weiß, dass er erst in zwei Jahren ein größeres braucht.“

Der typische Vogl+Co-Kunde ist aktuell 43 Jahre alt. Für den steirischen Händler, der die Software von Ibiola erhält und rundherum ein Betreuungspaket aufgebaut hat, ist es ein Schritt Richtung Mobilitätsunternehmen, der Kunde findet damit ins hauseigene Biotop. Vom Kauf bis zum Abo oder Auto teilen („Carsharing“) sei alles möglich, auch Mischformen. Es ist de facto ebenso ein Marketinginstrument.
„Mobilitätsforscher gehen davon aus, dass im Laufe der nächsten Jahre 60 Prozent der Menschen auf solche Modelle umsteigen werden. Das ist sehr optimistisch – aber dass der Markt sich samt unserer Mobilität verändern wird, steht auch fest“, so Krammer. Die Preise für die Abomodelle sind unterschiedlich und genau zu vergleichen – es geht um versteckte Gebühren, zusätzliche Kosten, die manches Angebot verschleiert.

Günstigsten Modelle starten bei 300 Euro

Vogl+Co startet bei 399 Euro (Renault Zoe, Dacia Sandero, oder Renault Megane ab 690 Euro), der Preis ist abhängig von der Dauer – je länger, desto günstiger wird es zumeist. Der Markt allgemein? Die günstigsten Angebote für Kleinautos starten knapp unter 300 Euro, für große Brummer, etwa BMW X 5, sind rund 1299 Euro fällig. Bei der Porsche Holding steigt man ab 349 Euro im Monat ein, die Kompaktklasse gibt es ab 399, das Familienauto ab 679 Euro. Mit dem ID-3-Testabo um 399 Euro kann man auch in die E-Mobilität reinschnuppern.

Vogl+ Co betreut derzeit drei Gemeinden, die Autoabos nehmen und der Bevölkerung die Autos in Form von Carsharing zur Verfügung stellen. Frohnleiten, Deutschfeistritz, Peggau sind aktuell dabei, 13 weitere sollen 2022 folgen. Vogl+Co übernimmt die gesamte Abwicklung. Die Gemeinde holt sich die Abokosten über die Nutzungsgebühren zurück.

Ein weiteres Geschäftsfeld für Vogl+Co sind Bauträger und Wohnbaugenossenschaften, weil die bewilligten Parkplätze immer rarer werden und viele Bewohner das Auto nur punktuell nutzen wollen. Der nächste Schritt, so Krammer, sei die Einbindung des öffentlichen Verkehrs in diese Abosysteme. Und dann ergibt sich aus diesen vielen Mosaiksteinen auch ein Bild für die Zukunft: Mit den Daten, mit dem Wissen, das hier über das Mobilitätsverhalten generiert wird, lassen sich in Zukunft neue Verkehrskonzepte planen – und vermarkten.