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Delta: Geimpfte ähnlich ansteckend wie Ungeimpfte

19.08.2021 • 12:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wissenschaftler aus Oxford untersuchten mehrere Millionen Nasen- und Rachenabstriche bei Erwachsenen
Wissenschaftler aus Oxford untersuchten mehrere Millionen Nasen- und Rachenabstriche bei Erwachsenen AFP

Wahrscheinlichkeit der Ansteckung als Vollgeimpfter ist aber gering.

Zwei Impfungen mit Biontech/Pfizer oder AstraZeneca bieten guten Schutz vor der hochansteckenden Delta-Corona-Variante. Aber die Wirksamkeit nimmt mit der Zeit ab – und eine Infektion mit der Delta-Variante löst bei Vollgeimpften dann eine ähnlich hohe Viruslast aus wie bei Nichtgeimpften, fanden Wissenschafter der Universität Oxford in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie heraus. Sofern sie sich anstecken, könnten Geimpfte damit ähnlich ansteckend sei wie Nichtgeimpfte.

Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist immer noch geringer, wenn Sie zwei Dosen erhalten haben. Aber wenn Sie es tun, haben Sie eine ähnliche Viruskonzentration wie jemand, der überhaupt nicht geimpft wurde“, sagte Sarah Walker, Professorin für medizinische Statistik und Epidemiologie an der Universität Oxford, die die Studie leitete.

Bei der Alpha-Variante sei die Viruslast bei Menschen, die sich trotz einer Impfung infizierten, noch deutlich niedriger gewesen. „Die Tatsache, dass wir eine höhere Viruslast sehen, deutet darauf hin, dass Herdenimmunität tatsächlich schwieriger werden könnte“, sagte der Oxford-Wissenschafter Koen Pouwels. „Impfstoffe sind wahrscheinlich am besten geeignet, schwere Krankheiten zu vermeiden und etwas weniger, um die Übertragung zu verhindern.“

Impfdruchbrüche sind keine Überraschung

Wichtig zu betonen ist folgendes: Impfdurchbrüche, also Infektionen mit Symptomen bei vollgeimpften Personen, sind erwartbar. Sie sind auch in den Zulassungsstudien aufgetreten. Wären sie nicht aufgetreten, müsste man die Wirksamkeit der Vakzine mit 100 Prozent angeben. Weil sich aber in jenen Gruppen der Zulassungsstudien, die den Impfstoff und nicht das Placebo erhalten haben, eine gewisse Prozentzahl mit dem Virus infiziert hat, liegt die Wirksamkeit eben nicht bei 100 Prozent, sondern eben bei 95 Prozent (relativ), wie es bei Biontech/Pfizer der Fall ist.

Mehrere Millionen Nasen- und Rachenabstriche analysiert

Für die Studie, die noch nicht von unabhängigen Experten geprüft wurde, analysierten die Wissenschafter insgesamt Ergebnisse von mehr als drei Millionen Nasen- und Rachenabstrichen bei Erwachsenen in Großbritannien. Um die Zeiträume vor und nach der Verbreitung von Delta zu vergleichen, analysierten die Forscher etwa 2,58 Millionen Abstriche von rund 380.000 Erwachsenen zwischen Anfang Dezember und Mitte Mai sowie 810.000 Testergebnisse von 360.000 Teilnehmern zwischen Mitte Mai und Anfang August.

Sie kamen auch zu dem Ergebnis, dass der Schutz vor einer Infektion 90 Tage nach der zweiten Impfung mit Biontech/Pfizer bei 75 Prozent und bei AstraZeneca bei 61 Prozent lag. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis habe dieser noch bei 85 Prozent beziehungsweise 68 Prozent gelegen. „Diese Daten sagen uns aber nichts über das Schutzniveau gegen schwere Krankheiten und Krankenhausaufenthalte, zwei sehr wichtige Faktoren, wenn man die Wirksamkeit der Impfstoffe betrachtet“, gab Pouwels zu bedenken. Die Forscher gaben keine Prognose darüber ab, um wie viel der Schutz im Laufe der Zeit noch abnehmen könnte, legten jedoch nahe, dass die Wirksamkeit beider Impfstoffe vier bis fünf Monaten nach der zweiten Impfung ähnlich sein dürfte.