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Zehntausende warten auf gültige Zertifikate im Grünen Pass

03.08.2021 • 13:27 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zehntausende warten auf gültige Zertifikate im Grünen Pass
Zertifikate des Grünen Passes sind für Urlaub und in Österreich von Bedeutung.APA/HELMUT FOHRINGER

Bedeutung der Zertifikate des Grünen Passes steigt. Doch es gibt weiterhin Probleme.

Für all jene, die eine Coronainfektion durchgemacht haben – egal ob mit oder ohne Symptomen – reicht laut Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums eine Teilimpfung aus. Das sieht auch ein Großteil der EU-Länder so – und folgt daher bereits seit Juni einer derartigen Empfehlung des Rates. Schließlich gelten Genesene mit einer Teilimpfung gemeinhin als vollständig immunisiert, da sie in der Regel bereits vor der Spritze Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben. Einzelne Länder akzeptieren die entsprechenden Zertifikate jedoch nicht (immer) – und verlangen teilweise weiterhin die doppelte Impfung oder einen negativen Test. Das Gesundheitsministerium hat dennoch ein entsprechendes EU-konformes Zertifikat bis Mitte Juli angekündigt. Doch die mehr als 630.000 offiziell gelisteten österreichischen Genesenen warten immer noch darauf.

Das hat zwei Gründe: „Die rechtliche Voraussetzung ist nach Beschluss im Nationalrat und Bundesrat letzte Woche in Kraft getreten“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Daraufhin wurde die ELGA umgehend mit der technischen Umsetzung betraut. Doch auch hier gibt es Probleme. Die Systeme des Epidemiologischen Meldesystems EMS, in das die Infektionsfälle eingetragen werden, und jenes des e-Impfpasses sind derzeit nicht kompatibel.

So sieht das neue Zertifikat aus

Immerhin ist nun klar, wie das Genesenen-Zertifikat für jene mit einer Impfung aussehen wird: De facto wird den Betroffenen ein zusätzliches Impfzertifikat eingespielt, wie es vonseiten der ELGA heißt. Der Unterschied: Im Feld „Nummer der Impfung/Anzahl der Dosen“ wird dabei der Wert 1/1 angegeben – auch dann, wenn das jeweilige Serum eigentlich zwei Spritzen benötigt.

Als neuen Zeithorizont für das neue Zertifikat im Sinne des „Grünen Passes“ hat das Gesundheitsministerium gegenüber der Redaktion Mitte August genannt – das ist ein Monat später als ursprünglich versprochen. Betroffene stellt das in der aktuellen Urlaubszeit vor Herausforderungen. Sie müssen sich bei Auslandsreisen oftmals testen – dann vor allem, wenn ihre Genesung mehr als sechs Monate zurückliegt und das entsprechende Genesungszertifikat im Sinne der EU-Regeln nicht mehr gültig ist.

Zertifikate gewinnen im Inland an Bedeutung

Doch auch innerhalb Österreichs drängt die Zeit, denn ab 15. August gilt eine Teilimpfung hierzulande nicht mehr als Zutrittsberechtigung für Lokale, Hotels und Veranstaltungen – mit Ausnahme des Impfstoffs von Johnson & Johnson, bei dem man nach einem Stich bereits als vollständig immunisiert gilt. Hintergrund für diese Maßnahme ist, dass viele Bürger ihre Zweitimpfung nicht mehr wahrgenommen haben.

Auch darüber hinaus gewinnen die Zertifikate im Inland mehr und mehr an Bedeutung: In Discos dürfen aktuell nur noch Geimpfte und PCR-Getestete. Genesene und Personen mit negativem Antigentest müssen draußen bleiben. Im Hintergrund laufen zwischen Bund und Ländern außerdem bereits Diskussionen für weitere Privilegien, die ausschließlich für Geimpfte gelten sollen. Damit könnte auch der Status von Genesenen weiter schwinden. Wie jener der Testungen, wo es bereits Debatten gibt, ob diese ab dem Herbst kostenpflichtig werden sollen.

Probleme für Genesene ohne offizielle Infektion

Und doch hat der Grüne Pass weiter seine Tücken. Probleme haben vor allem jene, deren Infektion ohne Symptome verlaufen ist – und damit vielfach unbemerkt blieb. Tausendfach wurde sie im Rahmen von Antikörperbluttests oder aber über die PCR-Testung von Kontaktpersonen dennoch bekannt. Im EMS (und damit auch in der offiziellen Statistik) scheinen diese Fälle aber nicht auf. Grund war, vor allem in der Anfangszeit der Pandemie, der Mangel an Testmaterial – im Verdachtsfall wurde zwar Quarantäne ausgesprochen, aber teilweise kein PCR-Test zur Bestätigung durchgeführt. Viele Betroffene sind damals nicht von Ärzten untersucht bzw. bei der Gesundheitshotline 1450 nicht durchgekommen.

Die Infektion ist in all diesen Fällen offiziell nicht erfasst – da hilft auch der nachträgliche Antikörpertest nicht, da er zwar in Österreich, nicht aber EU-weit anerkannt wird. Damit gibt es für die Betroffenen weder ein Genesenen-Zertifikat, noch reicht die einmalige Impfung für den vollen Schutz aus. Das Problem: Selbst wenn beim Patienten der Wunsch nach einer Zweitimpfung besteht, verabreichen viele Ärzte keine weitere Spritze entgegen der offiziellen Empfehlungen. Als Ausweg bleibt nur ein Test. Oder das Ergebnis eines positiven Antikörper-Bluttests, das zumindest im Inland derzeit noch für drei Monate akzeptiert wird.

Kreuzimpfungen können nachgetragen werden

Sorgen bereitet der Grüne Pass nach wie vor auch vielen Personen, bei denen es zu einer Kreuzimpfung kam. Betroffene erhalten auf ihre erste Spritze beispielsweise mit AstraZeneca einen zweiten Stich mit dem Serum von Biontech-Pfizer oder Moderna. Zahlreiche Personen melden, dass nun zwei Zertifikate vorliegen, die jeweils den Vermerk „Anzahl der Dosen: 1/2“ enthalten. Damit gibt offiziell keinen vollen Impfschutz, obwohl man zweimal geimpft wurde. „Einerseits kommt es deshalb zu Problemen, weil manche Impfwillige beim Fragebogen die Erstimpfung mit einem anderen Serum nicht angeben, andererseits weil sie von den Impfstellen falsch eingetragen werden“, betont das Gesundheitsministerium dazu.

Über die Hotline der Ages können Betroffene ihre Daten aber ausbessern lassen, um das richtige Zertifikat zu erhalten. Die Hotline 0800 555 621 ist täglich von 0 bis 24 Uhr erreichbar. Alternativ können sich Betroffene weiterhin testen lassen.