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Weitere Regenfälle erwartet

18.07.2021 • 11:41 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Erste Lage auch in Hochburg-Ach (OÖ)
Erste Lage auch in Hochburg-Ach (OÖ) (c) APA/MANFRED FESL

Starkregen hat Salzburg, Tirol, Oberösterreich und Wien gefordert.

In vielen Teilen Österreichs hat eine Starkregenfront in der Nacht auf Sonntag für Hochwasser und Erdrutsche gesorgt. Das Land Salzburg konnte noch keine Entwarnungen geben. Der Zivilschutzalarm in der Stadt Hallein, wo am Samstag die Altstadt überflutet wurde, blieb aufrecht. In Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol wurde in der Nacht der Zivilschutzalarm ausgelöst. Auch Oberösterreich und das Wiener Stadtgebiet waren von den Unwettern betroffen.

Weiterhin Großeinsatz

Sonntagvormittag hat es in Salzburg nach wie vor stark geregnet. Vor allem im Pinzgau und Tennengau gab es zahlreiche Gefahrenstellen. Laut hydrografischem Dienst konnten die Pegelstände der Gewässer im Einzugsgebiet der Salzach weiter ansteigen. In Hallein, wo die Altstadt überflutet war, blieb der Zivilschutzalarm aufrecht, im Ortsteil Gamp wurden mehrere Häuser aufgrund eines drohenden Hangrutsches evakuiert.

Bis zu 2.300 Feuerwehrleute waren in der Nacht und am Sonntag im Einsatz, berichtete das Land Salzburg. Experten des Katastrophenschutzes schätzten die Lage mit Überflügen aus der Luft ein, wo dies möglich war. Das Bundesheer war mit einem Erkundungstrupp vor Ort und entsandte Soldaten für einen Assistenzeinsatz nach Hallein.

Im Pinzgau wurden vorerst keine Verletzten oder Vermissten gemeldet. In Mittersill war die Brücke nach wie vor angehoben und eine Umfahrung eingerichtet. Die Pinzgauer Lokalbahn bei Uttendorf sowie die ÖBB-Strecke zwischen Bruck und Zell am See und der Zugverkehr zwischen Taxenbach und Lend, Golling und Werfen waren gesperrt, ebenso die Felbertauernstraße und die Salzachuferstraße in Bruck.

In der Stadt Salzburg selbst ist alles ruhig, die Salzach führt beachtliches Hochwasser, die Fahrradunterführungen sind deswegen abgesperrt, sonst wirkt alles normal. Es herrscht Sonntagsruhe, aber es gibt schon die üblichen Touristenrundgänge.

Keine Verletzten

Den Behörden in Salzburg lag Samstagfrüh noch keine Meldungen über verletzte oder vermisste Personen vor. In Hallein verwandelte sich am Samstag der Kothbach in einen reißenden Fluss durch die Tennengauer Bezirkshauptstadt. Ein abgestellter Pkw wurde mitgerissen, das Wasser drang in mehrere Gebäude ein. Für Bewohner, die zunächst nicht in ihre Häuser konnten, wurde ein Notquartier eingerichtet. Wie hoch die Schäden in der Altstadt sind, ist momentan noch nicht abschätzbar.

In Kuchl evakuierten die Einsatzkräfte nach einem Murenabgang drei Häuser. In Hallein und Mittersill wurde Zivilschutzalarm ausgelöst. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich auch von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten.

In Mittersill im Salzburger Pinzgau musste die Hubbrücke angehoben werden. Bereits am Nachmittag überschritt die Salzach die Warngrenze. In Lofer wurde ein Campingplatz vorsorglich evakuiert und die Personen, die in einem Zelt übernachteten in ein Notquartier in der Mittelschule Lofer gebracht. In Neukirchen am Großvenediger (Bezirk Zell am See) mussten in der Wiesensiedlung die Bewohner in den oberen Stockwerken bleiben. Aufgrund der aktuellen Hochwassersituation im Bundesland Salzburg hat die ÖBB zwei Streckenabschnitte gesperrt.

Hunderte Einsätze in Tirol

In Tirol forderte der starke Regen in der Nacht auf Sonntag die Einsatzkräfte weiterhin stark. Mehrere Murenabgänge, überflutete Keller und Tiefgaragen waren die Folge der heftigen Niederschläge. Es gab keine Verletzten. In den besonders betroffenen Gebieten im Unterland haben die Niederschlagsmengen von 70 bis 120 Millimeter mit Spitzen bis zu 170 Millimeter zu einer Hochwasserentwicklung mit Scheiteln über eines 30-jährlichen Hochwassers geführt.

Besonders betroffen war die Stadt Kufstein, der dortige Zivilschutzalarm wurde aber in der Früh aufgehoben, berichtete das Land. Die Menschen sollen aber trotzdem nicht in die Innenstadt kommen, sagte Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel. „Die Innenstadt steht in einer Form unter Wasser, wie wir es noch nie erlebt haben“, berichtete Krumschnabel. An Aufräumarbeiten sei noch nicht zu denken. Die Feuerwehren seien damit beschäftigt, die Bäche auszupumpen und Verklausungen zu beseitigen. Vor allem die Innenstadt war stark betroffen – Straßen, Keller und Garagen standen unter Wasser. Ein Katastrophenzug war im Einsatz.

TIROL: UNWETTER - ZIVILSCHUTZALARM IN KUFSTEIN
Zivilschutzalarm in KufsteinAPA

Der Ort Kelchsau (Bezirk Kitzbühel) war in der Früh zudem wegen einer Mure abgeschnitten. Gegen Mitternacht wurde die Kelchsauer Landesstraße zum Teil von der Kelchsauer Ache weggerissen und ist seitdem nicht mehr passierbar. Mehrere Bäche waren übergetreten. Seit 01.00 Uhr kann auch der zweite Weg nach Kelchsau wegen einer unterspülten Brücke nicht mehr befahren werden, berichtete die Polizei. Weil in dem Ort am Abend ein Fest stattfand, waren somit rund 80 Menschen, die nicht in Kelchsau wohnen, eingeschlossen. In Söll mussten 16 Personen im Bereich Ried aus Vorsicht evakuiert werden, da der Bereich von einem Hangrutsch bedroht ist.

Weitere Regenfälle erwartet
Einsatzkräfte in KufsteinAPA

Auch die Brixentaler Bundesstraße in Westendorf (Bezirk Kitzbühel) wurde überflutet, betroffen war die Bahnunterführung. Ein Bach trat über die Ufer, woraufhin Wasser und Schlamm über eine Wiese zur Bundesstraße flossen. Diese war während der Nacht einige Stunden gesperrt. In Itter (Bezirk Kitzbühel) kam es ebenfalls zu einer Überflutung – der Grünholzbach trat über die Böschung. Aufgrund des hohen Wasserstandes der Brixentaler Ache in Itter wurde der südliche Teil des Campingplatzes im Ort evakuiert und gesperrt. Ebenso evakuiert wurde ein Campingplatz in Maurach am Achensee (Bezirk Schwaz). Gegen 02.00 Uhr ereignete sich ein Murenabgang auf die Achensee Bundesstraße. Diese wurde anschließend gesperrt.

Aufgrund von Vermurungs-Gefahr wurde die Felbertauernstraße zwischen der Mautstelle und Hinterburg gesperrt. Die Dauer der Sperre ist derzeit unbekannt. Nicht befahrbar sind außerdem die Seefelder Straße (B 177), die Eibergbundesstraße (B 173) und die Gerlosstraße in Richtung Gerlospass (B 165). Einige Zugverbindungen im Tiroler Unterland – wie jene ins Brixental – sind laut ÖBB aufgrund der Witterung unterbrochen. Fahrgäste sollen sich vor Fahrtantritt jedenfalls informieren.

Auch Öberösterreich und Wien betroffen

In Oberösterreich führten seit Samstagnachmittag kräftige Regenschauer zu lokalen Überflutungen, Vermurungen, Hangrutschen und volllaufenden Kellern in der südlichen Landeshälfte geführt. Ab 16.00 Uhr gab es rund 150 Feuerwehreinsätze in den Bezirken Steyr-Stadt, Steyr-Land, Kirchdorf, Linz-Land, Wels-Land und Gmunden. Steyr, Schärding und der Bezirk Braunau rüsteten sich für Hochwasser, mit dem durch das schnelle Ansteigen des Pegels in der Salzach auch im Inn zu rechnen war.

Starke Regenfälle und Gewitter sorgten auch im gesamten Wiener Stadtgebiet für Dauereinsätze der Feuerwehr. Bisher seien mehr als 500 Einsätze durchgeführt worden, teilte die Wiener Berufsfeuerwehr mit. Bei den meisten Einsätze habe die Berufsfeuerwehr wegen überschwemmter Keller und Unterführungen oder durch den Regen überflutete Fahrbahnen ausrücken müssen.

Aufgrund der starken Niederschläge der letzten Tage im Einzugsbereich der Donau führt auch die Donau seit Samstag Hochwasser. Für die Neue Donau wurde Sonntagmittag ein Badeverbot erlassen.

Vorarlberg großteils verschont

Vorarlberg ist am Wochenende von den Folgen der starken Regenfälle weitgehend verschont geblieben. In der Nacht auf Sonntag verzeichnete die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle elf Einsätze in Dornbirn, bis Mittag waren es sieben. Dort ging ein Bach aufgrund von Verklausungen über das Ufer und eine Häuserzeile wurde überschwemmt, hieß es auf APA-Anfrage.

In den Wohnanlagen mussten Keller und Tiefgaragen ausgepumpt werden. Außerhalb von Dornbirn gab es keine Einsätze. Die Pegelstände der Zuflüsse zum Bodensee seien derzeit am sinken. Ob sich die Situation am Bodensee verschärfen wird – es herrscht die Vorwarnstufe – würden die kommenden Tage und Wochen zeigen.

Murenabgang in Kärnten

Im Seebachtal in der Gemeinde Mallnitz in Kärnten ereigneten sich am Samstagnachmittag mehrere Murenabgänge. Ein Hüttenwirtehepaar, das sich noch auf ihrer Hütte in 1.338 Metern Seehöhe befand, habe daher nicht mehr ins Tal gelangen können und sei ausgeflogen worden, teilte die Polizei mit. Weitere Personen oder Häuser seien nicht in Gefahr gewesen. Die Straße bzw. der Wanderweg in Richtung Stappitzer See – Schwußnerhütte seien gesperrt worden.

Entspannung erst am Abend

Laut Katastrophenschutz und dem Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg wird der Regen noch bis mindestens Sonntagmittag anhalten, erst am Abend wird mit einer Entspannung der Lage gerechnet. Bis dahin wird die Bevölkerung gebeten, unnötige Fahrten und Spaziergänge zu vermeiden. Wasserabläufe sollten freigehalten, Kellerschächte abgedeckt und die Pegelstände im Auge behalten werden. Die Bevölkerung soll zudem die Hinweise und Warnungen der Behörden befolgen.