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Mehr als 133 Tote nach Unwetter in Deutschland

17.07.2021 • 13:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mehr als 133 Tote nach Unwetter in Deutschland
In den Trümmern wird nach Todesopfer gesucht.AFP

Das Wasser zieht sich langsam zurück, aber es gibt immer noch viele Vermisste.

Die Unwetterkatastrophe in Deutschland hat bisher 130 Todesopfer gefordert, mit dem Rückzug der Wassermassen laufen nun die Rettungseinsätze auf Hochtouren. Auch erste Aufräumarbeiten haben begonnen. Obwohl das gesamte Ausmaß des Flutunglücks noch nicht bekannt ist, handelt sich zweifelsohne um eine der größten Unwetterkatastrophen der deutschen Nachkriegszeit: Allein im Großraum Ahrweiler kamen nach Angaben der Polizei über 90 Menschen ums Leben. Es sei zu befürchten, dass noch weitere hinzukämen, teilte die Polizei Koblenz mit. Hunderte Menschen wurden laut Polizei verletzt.

Für die ebenfalls besonders schwer betroffene Region um das nordrhein-westfälische Erftstadt befürchtet Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) ebenfalls Schlimmeres: „Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht“, hatte er am Freitag in Düsseldorf gesagt. Trotz mehrerer eingestürzter Häuser gab es bis zum Samstagmittag aber keine bestätigten Todesopfer in dem extrem unter Wasser stehenden Stadtteil Blessem.

Gewaltige Erdrutsche bilden riesige Krater

Krater in Blessem
Dem riesigen Krater in Blessem fielen drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg zum Opfer.AP

Mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden in den Regionen immer noch Menschen vermisst. Tausende Rettungskräfte sind unter anderem in der Eifel im Einsatz. Auch dort hatten die Wassermassen in der Nacht zum Donnerstag ganze Orte verwüstet. In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des NRW-Innenministeriums landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte. Für Rheinland-Pfalz hatte Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag von 362 Verletzten gesprochen.

Steinmeier reist nach NRW, Merkel sichert Hilfe zu

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Samstag in den von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis (Nordrhein-Westfalen), Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Hilfe zu und plant einen baldigen Besuch in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock reiste nach dem Abbruch ihres Urlaubs in die Krisengebiete. Wie eine Sprecherin am Freitagabend mitteilte, will sich die Parteichefin vor Ort über die Lage der Menschen informieren. Dabei verzichte sie bewusst auf Pressebegleitung oder öffentliche Auftritte. Den Angaben zufolge traf Baerbock am Freitag in Mainz ein. Für Samstag sind weitere Termine Baerbocks in Nordrhein-Westfalen angesetzt.

Rhein bei Köln erreicht Höchststand mit 8,06 Metern

Langsam zieht sich das Wasser aus vielen Regionen wieder zurück. In Köln erreichte das Rhein-Hochwasser in der Nacht zum Samstag seinen Höchststand mit 8,06 Metern, danach fiel laut Städtischen Entwässerungsbetrieben der Wasserstand wieder. Auch nach der Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz hat sich die Hochwassergefahr zuletzt verringert. In vielen Ortschaften ist das Strom- und Telefonnetz weiter ausgefallen.

NRW-Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Laschet beklagte am Freitag eine „Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß“. Seine Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), nannte die Lage „weiterhin extrem angespannt in unserem Bundesland“. Sie fügte in Trier hinzu: „Das Leid nimmt auch gar kein Ende.“

Im dortigen Stadtteil Ehrang waren die Aufräumarbeiten am Samstag in vollem Gang. „Da stapeln sich die Berge von Sperrmüll“, sagte ein Stadtsprecher. Erste Anrainer gingen zurück in die Häuser. „Wer da geschlafen hat, hatte kein Wasser und keinen Strom.“ Betroffen sind der Stadt zufolge 670 Häuser, bei denen im Keller und Erdgeschoss fast alles zerstört wurde.

Schwere Versäumnisse beim Klimaschutz?

Dreyer beklagte schwere Versäumnisse beim Klimaschutz in Deutschland. „In den vergangenen Jahren haben wir in Deutschland vieles nicht umgesetzt, was notwendig gewesen wäre“, sagte die Mainzer Regierungschefin der vom Hochwasser besonders stark betroffenen Regionen den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Der Klimawandel sei angesichts der jüngsten Dürren und Unwetter nichts Abstraktes mehr. „Wir erleben ihn hautnah und schmerzhaft.“