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Studentin vergewaltigt: Cousin ist schuldig

18.06.2021 • 10:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Studentin vergewaltigt: Cousin ist schuldig

29-Jähriger, der in Leonding Studentin getötet haben soll, steht vor Gericht.

Ein 29-Jähriger, der Ende Dezember des Vorjahres in Leonding (Bezirk Linz-Land) eine Studentin getötet haben soll, steht ab heute, Freitag, in Linz vor Gericht. Der Mann wird beschuldigt, die 25-Jährige zuerst vergewaltigt und drei Stunden später erstochen zu haben. Danach wollte er laut Anklage offenbar noch die Halbschwester des Opfers und deren Mann umbringen. Die Staatsanwaltschaft hat wegen der Gefährlichkeit des Mannes auch eine Einweisung in eine Anstalt beantragt.

Anscheinend aus unerwiderte Liebe war der spanische Staatsbürger in den frühen Morgenstunden des 27. Dezembers so in Rage geraten, dass er sich zuerst an der jungen Frau aus Honduras, die für ihr Studium zu ihrer Halbschwester nach Leonding gezogen war, verging. Dann versetze er ihr sechs Messerstiche, worauf sie verblutete. Anschließend soll der mutmaßliche Täter das Hausbesitzer-Ehepaar nicht weniger brutal zu töten versucht haben.

Tödliche familiäre Bande

Der Angeklagte wurde in Honduras geboren, wuchs in behüteten Verhältnissen auf und ging später nach Spanien – er hat die Staatsbürgerschaft beider Länder. Dort habe er sehr zurückgezogen gelebt und seine Zeit hauptsächlich „vor dem Computer“ verbracht, schilderte der Staatsanwalt. Er hatte nur wenige und kurze Beziehungen.

Das spätere Opfer, seine ebenfalls aus Honduras stammende Cousine, studierte in Österreich und lebte bei ihrer Halbschwester und deren Familie in Leonding. Der Angeklagte und die 25-Jährige lernten einander erst 2019 kennen und verstanden sich gut. „Es hat sich eine Freundschaft entwickelt“, sagte der Staatsanwalt, der Angeklagte dürfte aber manche Gesten seiner Cousine falsch interpretiert und sich mehr erwartet haben. Am 18. Dezember des Vorjahres reiste er trotz Corona-Situation nach Österreich, um seine Angebetete zu besuchen. Allerdings kam es nicht zu der erhofften Vertiefung der Beziehung. Dass seine Cousine mittlerweile einen Freund hatte, sei für ihn „ein schwerer Schock“ gewesen, so der Staatsanwalt.

Studentin vergewaltigt: Cousin ist schuldig
APA

Stundenlanges Martyrium

In der Nacht auf den 27. Dezember dürfte der Angeklagte einmal mehr zurückgewiesen worden sein. Daraufhin habe er die Studentin gewürgt und mit einem Steakmesser gezwungen, mit ihm in den Keller zu gehen, so der Staatsanwalt. Dort soll er sie vergewaltigt haben. Danach saßen die beiden einander drei Stunden lang im Keller gegenüber – er mit dem Messer in der Hand. „Das muss für das Opfer die Hölle auf Erden gewesen sein.“ Dann habe der Angeklagte mit Suizid gedroht. Die 25-Jährige soll geantwortet haben: „Wenn du dich umbringen willst, dann bitte nicht hier im Haus“, schilderte der Anklagevertreter weiter. „Das war ihr Todesurteil.“ Der Angeklagte habe die Frau gewürgt und ihr sechs Stiche in den Brustbereich versetzt.

Als die Verwandten des Opfers in der Früh munter wurden – der Angeklagte hatte sich mittlerweile umgezogen -, soll er zuerst die Halbschwester unter einem Vorwand in den Keller gelockt und dort gewürgt haben. Als ihr Ehemann eingriff, habe er diesen mit einem Fleischerbeil attackiert. Letztlich gelang es dem Mann aber, den Angreifer in Schach zu halten und – gemeinsam mit einem Nachbarn – bis zum Eintreffen der Polizei zu fixieren.

Laut Gutachten zurechnungsfähig

Laut dem psychiatrischen Gutachten von Adelheid Kastner war der 29-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig, aufgrund einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung bestehe aber hohe Gefahr, dass er wieder derartige Taten begehen könnte. Die Staatsanwaltschaft beantragte daher zusätzlich zu einer Strafe auch die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Der Verteidiger fand allerdings, dass angesichts der Unbescholtenheit seines Mandanten die Einschätzung Kastners „zu hinterfragen sein“ werde. Dem Angeklagten tue es „unheimlich leid, dass das passiert ist“. Dieser ist weitgehend geständig und bekannte sich schuldig.

Der Prozess ist für zwei Tage – 18. und 22. Juni – anberaumt. Dem Mann drohen zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.