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„Zeugenschwund“ im U-Ausschuss

10.06.2021 • 15:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
"Zeugenschwund" im U-Ausschuss

U-Ausschuss: Immer mehr geladene Auskunftspersonen sagen Termine ab.

SPÖ und NEOS haben am Dienstag den „Zeugenschwund“ in der finalen Phase des Ibiza-U-Ausschusses beklagt. Etwa hätten Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), ÖBAG-Chef Thomas Schmid und Ex-ÖVP-Justizminister Josef Moser für die kommenden Befragungstage im Juni ihr Kommen abgesagt. Der Kanzler war ursprünglich als Auskunftsperson für den 24. Juni geplant, werde aber wegen eines „wichtigen Termins“ nicht erscheinen, hieß es.

NEOS-Fraktionsführerin Stephanie Krisper erinnerte daran, dass sie „nicht als Gäste eingeladen, sondern verpflichtet sind zu kommen“. Weil der U-Ausschuss aber dem Ende zu gehe, fehle die Zeit für eine Beugestrafe. „Wir hoffen daher weiter auf die Grünen und auf eine Verlängerung des U-Ausschusses.“ Ihr Pendant auf SPÖ-Seite, Jan Krainer, will darauf bestehen, dass die Auskunftspersonen, die einen Termin haben, auch angehört werden können.

Zweite Befragung von Spiegelfeld

Erschienen war am Dienstag vor dem U-Ausschuss die Unternehmerin Gabriela Spiegelfeld, die Veranstaltungen für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Wahlkampf organisiert hatte, und zwar bereits zum zweiten Mal. Nach anfänglicher ehrenamtlicher Beratungstätigkeit habe sie seit 2018 einen Beratervertrag mit der ÖBAG, wie Spiegelfeld sagte. Diesen Vertrag habe sie mit Ende April aufgelöst. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass sie sich abschätzig über Frauen geäußert hat.

Spiegelfeld blieb bei ihren Antworten allerdings über weite Strecken vage und wich den Fragen der Abgeordneten mehrmals aus. Ihre Befragung dauerte gut drei Stunden. Nach Spiegelfeld folgt am späten Nachmittag Ex-Erste-Group-Chef Andreas Treichl.

Kommunikation zwischen Kurz und Löger

ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger setzte am Dienstag indes seine Attacken gegen WKStA-Oberstaatsanwalt Matthias Purkart fort. Anlass war ein Bericht der WKStA, in dem in einem Nebensatz nahe gelegt werde, dass Kanzler Sebastian Kurz dem ehemaligen Finanzminister Hartwig Löger (beide ÖVP) von der bevorstehenden Hausdurchsuchung erzählt haben könnte. Wie zuerst die Presse berichtete, geht es im Wesentlichen darum, dass es in zeitlicher Nähe zur Hausdurchsuchung eine verdichtete Kommunikation zwischen Kurz und Löger gegeben habe. Für Hanger ist der Vorwurf „nicht haltbar“ und an „Absurdität nicht zu überbieten“ sowie ein Beweis dafür, dass der Sachbearbeiter Purkart „parteipolitisch“ agiere. Zudem sei der Akt wieder einmal „vorab in den Medien“ gelandet.