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„Italien legt die Masken um den 7. Juli ab“

28.05.2021 • 14:56 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Federico Caner ist Vizepräsident des Veneto. In der Regionalregierung mit Sitz in Vnedig ist er für Tourismus und Landwirtschaft zuständig
Federico Caner ist Vizepräsident des Veneto. In der Regionalregierung mit Sitz in Venedig ist er für Tourismus und Landwirtschaft zuständig. Adolf Winkler

Bald sei die Einreise nach Italien für Geimpfte auch ohne Test möglich.

Was erwartet Urlauber an den Stränden von Bibione, Caorle und Jesolo, auf dem Lido und vor Chioggia?
FEDERICO CANER: Wir haben Sicherheitsregeln für die Abstände der Sonnenschirme getroffen und das Projekt „Spiagga Covid Free“ gestartet für absolute sanitäre Sicherheit – nicht nur für „Null Covid“, sondern auch für „Null Bakterien“. An dem Projekt des Konsortiums „Venice Sands“ aller Strände des Veneto wirkt die Uni Padua mit Italiens anerkanntestem Virologen Giorgio Palu mit.

Wie bereiten sich Hotels, Restaurants und Bars für den Sommer nach dem Corona-Jahr vor?
Mit einem ebenso wichtigen Projekt – der Impfung des gesamtem Tourismus-Personals. Alle Mitarbeiter über 20 Jahre werden geimpft.

Impfaktion im Tourismus

Verpflichtend für alle?
Es ist keine Pflicht per Gesetz, aber mit den Hotelier-Verbänden ist vereinbart, dass sie allen Mitarbeitern – 60.000 Personen – die Impfung nahelegen.

Wann wird man Italienurlaub ohne Maske am Strand oder sonst im Freien genießen können?
Italien wird um den 7. Juli die Masken abnehmen.

Der Impfverantwortliche, General Francesco Figliuolo, hat eingeschränkt, dass die Masken erst bei 50 Prozent Durchimpfung fallen.
Im Veneto ist schon mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft. Wir sind anderen Regionen voraus, im Juli werden wir bei 70 Prozent liegen. Aber es geht nicht, dass wir Masken früher als andere ablegen.

„Drei G“ vor Anerkennung

Für quarantänefreie Einreise nach Italien braucht man geimpft einen Test. Wann anerkennt Italien wie Österreich die „Drei G“ – also auch geimpft und genesen?
Tourismusminister Massimo Garavaglia sagte mir am Mittwoch, dass es umgehend möglich sein wird, mit Impfung ohne Test einzureisen, aber es ist noch nicht offiziell.

Wer am Samstag mit Impfung einreist, braucht keinen Test?
Die Regelung muss zuerst über die italienische Botschaft in Wien kommuniziert werden und wir intervenieren bei Außenminister Luigi Di Maio, dass das ehestmöglich passiert.

Sogar Kinder ab zwei Jahren brauchen einen Test für die Einreise. Das schreckt Familien ab.
Deshalb muss diese Regelung fallen und wir drängen, dass es sofort kommuniziert wird.

Kein 2. Stich für Urlauber

Wann kommt der Grüne Pass mit Österreich und Deutschland?
Das ist offen und liegt an den den Ministern auf EU-Ebene.

Regionspräsident Luca Zaia wollte Touristen den zweiten Stich im Italien-Urlaub anbieten, das lehnt Figliuolo aber ab.
Figliuolo befürchtete Kommunikationsprobleme, wenn ein Gast aus Deutschland oder Österreich die zweite Impfung im Urlaub in Italien bekommt.

Weiße Zone ab 7. Juni

Friaul-Julisch-Venetien wird am 1. Juni weiße Zone. Der Veneto?
Wir werden am 7. Juni zur weißen Zone – das heißt, dass man ohne Ausgangssperre auch wieder in den Bars und Restaurants drinnen sitzen kann.

Italiens Unternehmen, besonders im Tourismus, erleiden schwere Verluste. Was macht die Region, um den Sektor zu retten?
Die Regierung hat auf Verlangen der Konferenz der Regionen das Unterstützungspaket „Ristori Due“ für Verluste und Investitionen beschlossen, über die Höhe wird noch diskutiert. Der Veneto kann kein Geld für Verluste geben, sondern nur für Investitionen, kofinanziert aus dem EU-Wiederaufbaufonds.

5000 Euro Einmalhilfe für Betriebe

In Österreich gab es im Lockdown im November und Dezember für Hoteliers und Gastronomen 80 Prozent Umsatzersatz.
So viel Geld haben wir im Veneto nicht. Mit dem Plan „Ora Veneto“ (Jetzt Veneto) unterstützt die Region Unternehmen aller Sektoren, also Industrie, Handel und Tourismus mit einer einmaligen Hilfe von 5000 Euro. Insgesamt sind das 1,4 Milliarden Euro, das ist natürlich viel zu wenig.

Kein Geld für Umsatzentfall?
Nein, nur zwei Branchen erhielten von der Region für den Umsatzausfall Geld, das waren die Reisebüros, die 4000 Euro erhielten, sowie die Reiseführer, die 1000 Euro bekamen.

Im Monat?
Nein für die ganze Zeit. Für betroffene Saisonarbeiter im Tourismus gab es eine einmalige Hilfe von 1600 Euro.

Das ist mager. Der Veneto ist ja mit fünf Millionen Einwohnern ja so groß wie halb Österreich.

Ja, magerst. Der Veneto verfügt als Region aber über kein Geld.

Ozeanriesen zurück nach Venedig

Corona lehrte den Wert regionaler Produkte, wie machen Sie da aus der Krise eine Chance?
Der Lebensmittelsektor verlor 30 Prozent. Mit der Kaufhauskette Despar konnten wir vereinbaren, dass sie jetzt hochwertige regionale Markenprodukte in das Sortiment aufnimmt und sichtbar anbietet.

Wie geht es Kulturstädten wie Verona und vor allem Venedig? Was lehrt die Krise, oder setzt man weiter auf die Ozeanriesen?
Sie haben 90 Prozent der Besucher verloren. Venedig kommt daher zuerst nicht ohne Kreuzfahrtschiffe aus. Die Ersten erwartet man einem Monat.

Wie machen Sie mit einem Satz Urlaub bei Ihnen schmackhaft?
Kommen Sie in den Veneto, Sie werden sich in ihn verlieben.