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Zwei Generationen, eine Passion

25.04.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Land gärtnern Generationen: Hermann Bauer (89) und Tobias Ludescher (20). <span class="copyright">Hartinger</span>
Im Land gärtnern Generationen: Hermann Bauer (89) und Tobias Ludescher (20). Hartinger

Gärtner gehen mit der Zeit, in der sich so manches verändert hat.

Hermann Bauer (89) und Tobias Ludescher (20) sitzen bei Bauers in der guten Stube in Rankweil. Ludescher könnte sein Enkel sein und ist wie er Gärtner. Bauer blickt zurück: „Ich habe das Handwerk nicht gelernt.“ Angesagt waren vielmehr das Selbststudium, die Diskussion mit anderen Gärtnern und das Ausprobieren. „Das Ausprobieren ist ihm geblieben“, sagt seine Tochter Annelies Kopf-Bauer. Sie führt den Betrieb, aber ihr Vater „ist morgens der Erste im Geschäft und macht abends das Licht aus.“ Er lebt seine Leidenschaft bis heute, „mir ist jede Pflanze wertvoll“, sagt er. „Gleichzeitig sehe ich die neue Bauweise mit ihren Wohnblöcken und wie die Gärten zusehends schwinden.“ Nach wie vor zieht er mit zwei Mitarbeitern Dahlien, Sonnenblumen, Zinnien.

Jede Pflanze ist ihm wichtig: Hermann Bauer. <span class="copyright">Hartinger</span>
Jede Pflanze ist ihm wichtig: Hermann Bauer. Hartinger

„Mein Vater hatte eine Landwirtschaft und einen Holzhandel, ist aber mit 48 Jahren gestorben, 1941, mitten im Krieg. Ich war in der Schule, aber als ältestes von drei Kindern, die alle durchgebracht werden mussten, war das nicht länger möglich.“ Der Neunjährige brachte sich vieles über den Obstbau bei, machte eine Baumwärterausbildung und schnitt für andere die Bäume. Drei, vier Kühe hatten sie, Hermann begann, auch Pflanzen zu ziehen.

Die Gärtner im Land tauschen sich regelmäßig untereinander aus. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Gärtner im Land tauschen sich regelmäßig untereinander aus. Hartinger

Ein Frühbeet bekam er vom Onkel geschenkt, nach dem Krieg baute er den Obst- und ­Gartenbauverein wieder mit auf, war Schriftführer für 18 Mitglieder. Die Glashäuser, die er mit seinem Bruder Andreas angelegt hat, stehen heute noch. Aussaatkisten drängen sich dort, Jungpflanzen. Man muss die Fenster in den Glashäusern händisch auf- und zumachen – das Handanlegen ist Hermann Bauers Sache bis heute.

Dieses Glashaus hat Bauer mit seinem Bruder vor Jahrzehnten gebaut. <span class="copyright">Hartinger</span>
Dieses Glashaus hat Bauer mit seinem Bruder vor Jahrzehnten gebaut. Hartinger

Die neue Generation

Tobias Ludescher hat Facharbeiter für Gartenbau gelernt. Ludeschers haben Bewässerungsanlagen und Computer, die Wärme, Feuchtigkeit und die Schattierung regulieren. Trotzdem: „Hand anlegen muss man immer noch, nachgießen zum Beispiel“, erklärt der junge Gärtner. Während Bauer die Jungpflanzen noch von Hand topft, haben Ludeschers eine Topfmaschine. „Außerdem haben wir eine Dämpfanlage. Sie zerstört das Unkraut in der Komposterde, die wir selbst herstellen“, sagt der 20-Jährige.

Er, sein Bruder und ihr Vater arbeiten naturnah. Sie dürften chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen. Allerdings kommt das in der Praxis kaum vor. Denn meistens helfen Nützlinge oder Präparate wie Knoblauch. „Und außerdem zerstört man mit dem Einsatz von Chemikalien das Binnenklima, das wir in der Gärtnerei aufbauen, etwa unsere Nützlingskulturen.“

Arbeitet mit Bruder und Vater naturnah: Tobias Ludescher. <span class="copyright">Hartinger</span>
Arbeitet mit Bruder und Vater naturnah: Tobias Ludescher. Hartinger

Hermann Bauer weiß über Ludeschers Betrieb gut Bescheid. Es gehört zum guten Ton, sich auszutauschen. Manchmal aber erinnert sich Bauer zurück an die Zeit nach dem Krieg, wo die Kunden und Kundinnen nur dann eine Primel in der Gärtnerei bekommen haben, wenn sie im Gegenzug ein Tontöpfchen abgeben konnten. Früher haben Ludeschers Primeln gezogen, 10.000-fach, auch Erika. „Das haben wir komplett eingestellt.“

Aber beide Gärtner sind sich sicher: Ihre Arbeit macht nach wie vor Sinn. Nicht nur für die, die ihre Produkte kaufen. Sondern vor allem auch für sie selbst.