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Im Frühjahr öfter ganz schön ungemütlich

23.04.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Stiplovsek</span>Die Frostberegnungsanlage schützt die Apfelbäume vor zu kalten Temperaturen im Frühling.
StiplovsekDie Frostberegnungsanlage schützt die Apfelbäume vor zu kalten Temperaturen im Frühling.

Später Frost, wie vor anderthalb Wochen, ist nichts Ungewöhnliches.

Der Wintereinbruch im April hat noch einmal kalte Temperaturen beschert. Die Wetterstationen der Landwirtschaftskammer haben bis minus drei Grad gemessen, in Höchst minus 5,7 Grad. Dem Obstbaureferent der Landwirtschaftskammer Ulrich Höfert haben Obstbauern daraufhin von Schäden bei Apfel- und Kirschblüte erzählt.

Bei kalten Temperaturen sind Schäden bei Apfel- und Kirschblüten zu sehen.  <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bei kalten Temperaturen sind Schäden bei Apfel- und Kirschblüten zu sehen. Stiplovsek

Äpfel, die sich trotz Frostschaden entwickeln können, überzieht ein brauner Streifen, die Frostzunge. „Diese Früchte sind für den Handel nicht brauchbar. Vergangenes Jahr konnten wir sie trotzdem verkaufen, weil wir auch eine Direktvermarktung haben“, sagt der Obstbauer Simon Matt aus Schlins. Er hat eine Klima-Versicherung abgeschlossen. „Aber die Arbeit, die die Pflege der Bäume mit sich bringt, wird einem so nicht ersetzt.“ Seit einem Jahr besitzt er eine Frostberegnungsanlage. „Allerdings konnten wir sie nicht einsetzen, weil es zu sehr gewindet hat.“ Bei der Frostberegnung tropft Wasser auf die Blüten. Diese vereisen, beim Gefriervorgang wird Wärme freigesetzt, die Blüten können bei einer Temperatur von um null Grad gehalten werden. Es gibt noch die Möglichkeit, zwischen den Obstbäumen Paraffinkerzen zu installieren. Die Kosten sind jedoch hoch.

Beim Gefriervorgang wird Wärme freigesetzt, die die Bäume schützt.  <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Beim Gefriervorgang wird Wärme freigesetzt, die die Bäume schützt. Stiplovsek

Maßnahmen

Einiges lässt sich aber vorbeugend tun. Wichtig ist die Standortwahl: Obstanlagen sollten nicht in Senken angelegt werden, da sich die kalte Luft dort sammelt. Wird das Gras kurz gehalten, kann der Boden die Einstrahlung besser aufnehmen und in der Folge mehr Wärme abgeben. Mit Folie oder Vlies lässt sich die vom Boden aufsteigende warme Luft zurückhalten. Wenn man den Boden mindestens 24 Stunden vor der Frostnacht bewässert, kann man hiermit den Wärmespeicher erhöhen und die Wärmeabgabe aus dem Boden fördern.
„Unsere deutschen Kollegen veröffentlichen eine Phänologieuhr, die zeigt, wann was blüht. Im 30-jährigen Durchschnitt ist zu sehen, dass die Apfel- und Haselblüte immer früher beginnt. Dadurch, dass die Bäume früher dran sind, sind die Blüten wahrscheinlicher Frösten ausgesetzt“, erklärt Höfert von der Landwirtschaftskammer.

Aus der Situation wird das Beste gemacht. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Aus der Situation wird das Beste gemacht. Stiplovsek

Der Beerenzüchter Martin Winder vom Winderhof in Dornbirn nimmt es gelassen: „Als ich ein Kind war, gab es drei Wochen lang Erdbeeren, und zwar im Mai und Juni. Dabei ist der Juni der regenreichste Monat, und Erdbeeren mögen zu viel Nässe nicht. Inzwischen haben wir acht Wochen lang Erdbeeren, und wenn Frost kommt, ist die Hälfte geschützt im Folientunnel und die andere Hälfte im Freien wird abgedeckt. Man muss sich damit arrangieren, wie’s ist“, macht der Landwirt aus der Situation einfach das Beste.