Allgemein

Auf geht’s, Biene, fertig, los!

19.04.2021 • 10:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

Für Insekten Gutes tun. Schwierig ist das nicht, sagt Gärtner Andreas Dür.

Für Bienen und andere Insekten sind offene Blüten wichtig. Also zum Beispiel gefüllte Blüten mit ihrem vollen, das Innere der Blüte verdeckenden Blütenkopf helfen Insekten nicht wirklich viel weiter“, erklärt Andreas Dür. Er führt gemeinsam mit seiner Frau die Gartenlaube in Alberschwende und hat viel Erfahrung mit geflügelten Zeitgenossen.

Fest steht einmal: Als Bienenweide in Frage kommen bei Weitem nicht alle Pflanzen. Gerade für Balkon und Terrasse gibt es aber viele bienenfreundliche Varianten und Pflanzen. „Bienenpflanzen sind durchaus ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren noch verstärkt hat. Gerade junge Leute fragen uns sehr häufig nach Bienenweiden. Die vielen medialen Berichte über das Bienensterben und die ganze Umweltproblematik sensibilisiert die Menschen für das Thema und hat dazu beigetragen, dass viele mit ihrem Garten einen Beitrag gegen das Artensterben leisten wollen“, hat Dür beobachtet.

Weidenkörbe mit Kräutern und Bienenpflanzen: beliebte Präsente. <span class="copyright">Hartinger</span>
Weidenkörbe mit Kräutern und Bienenpflanzen: beliebte Präsente. Hartinger

Er selbst setzt schon lange Zeit auf Nützlinge. Damit hat er angefangen, als er dafür noch belächelt wurde. Doch die Zeit hat ihm Recht gegeben. Dür freut sich immer, wenn er Wildinsekten auf seinen Pflanzen sieht. „Bei der Pflege von bienenfreundlichen Pflanzen muss man beachten, dass Pflanzenschutzmittel tabu sind, und auf natürliche Dünger setzen. Das sollte eigentlich naheliegend sein, man muss es heutzutage aber dazusagen“, ergänzt der Gärtner schmunzelnd. Die möglichen Pflanzen lassen sich problemlos kombinieren, je nach Geschmack und Farbvorlieben sind viele Varianten denkbar.

Nahrungsquellen

Was Blumen angeht, gibt es eine große und immer größere Vielfalt, da viele Sorten konsequent weitergezüchtet werden. Generell kann man aber sagen: Je weniger hochgezüchtet eine Pflanze ist, desto besser ist das für die Bienen. Zum Beispiel die Bidens ist die Blume, die jeder typischerweise zeichnen würde, wenn er eine Blume zu zeichnen hätte. Breite, ellipsenförmige Blätter in den verschiedensten Farben.

Die Bidens gibt es in unterschiedlichen Farben, Insekten mögen sie alle. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Bidens gibt es in unterschiedlichen Farben, Insekten mögen sie alle. Hartinger

Ähnlich die hierzulande Honigblümchen genannte Lobularia-Art, die es ebenfalls etwa in Weiß, Rosa und Lila gibt. Aber nicht zuletzt sind auch Kräuter für Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. So etwa viele Salbeiarten. „Die Blume des Jahres heißt ja sogar Bienensalbei“, sagt Dür. Wichtig sei auch der Johannisbeersalbei, der mit seiner Tracht im Herbst viele Bienen anzieht. „Jetzt im Frühling gibt es ein Überangebot an Nahrung für Insekten. Schwieriger wird es dagegen im Sommer, wenn die Pflanzen eher Früchte als Blüten hervorbringen“, weiß der Experte.

Auch die Honigblümchen Lobularia-Art befinden sich in den Weidenkörben. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auch die Honigblümchen Lobularia-Art befinden sich in den Weidenkörben. Hartinger

Im Übrigen finden Bienen ihre Nahrung ohne menschliches Zutun wie von allein: Farben und Lockstoffe wie der Geruch sagen ihnen, wo sie hinmüssen.
Zu den Bienenkräutern gehören außerdem noch Rosmarin, Thymian, Lavendel, Oregano und Basilikum. „Hier wäre zusätzlich auch die neuere Sorte ‚African Blue‘ zu nennen“, sagt der Alberschwender Gärtner. „Die verschiedenen Pflanzen lassen sich alle problemlos untereinander kombinieren. Und wenn doch einmal eine stärker wuchernde darunter ist, kann man diese einfach ab und zu zurückschneiden, damit sie ihre Nachbarn nicht überdeckt. Ansonsten kann man einfach eine gebrauchsfertige Erde nehmen und los geht’s!“ Einzig zu beachten ist, hält Dür fest, dass das Gefäß unbedingt einen Wasserabzug haben sollte, da Pflanzen nicht in ihrer eigenen Staunässe stehen sollten.

Abwechslung

„Die Mutigen können zwischen Kräutern und Blumen auch mal einen Salat oder eine Kohlrabi ziehen, das verträgt sich durchaus“, schlägt Dür vor. Der Fantasie sind dabei also kaum Grenzen gesetzt. „Auch Kübelpflanzen eignen sich und bringen Abwechslung auf Balkon oder Terrasse. Zitrusfrüchte blühen jetzt im April, da haben im Augenblick die Insekten was davon, und tragen später sie die entsprechenden Früchte, da haben dann die Menschen was davon“, sagt der Gärtner, der weiß, wovon er spricht: Über den Winter hat er viele Zitrusfrüchte vom Zitronenbäumchen über die Mandarine bis hin zur Grapefruit in seinen Glashäusern stehen – seine Kunden wissen ihre Pflanzen in guten und sie pflegenden Händen.

Auch die Insekten haben was von den Zitrusfrüchten.  <span class="copyright">Hartinger</span>
Auch die Insekten haben was von den Zitrusfrüchten. Hartinger

Allerdings ist das der Nachteil: Diese Pflanzen kommen mit Minusgraden unter fünf Grad nicht zurecht und müssen daher über den Winter daher teils in eigenen Kellerräumen, teils beim Gärtner des Vertrauens Unterschlupf finden.
Bienen und andere Insekten bauen sich ihr Winterquartier dagegen gerne in der Nähe von ergiebigen Nahrungsquellen. Hat man also einmal diese Tiere angelockt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch im nächsten Jahr welche kommen, um bei Salbei, Bidens und all den anderen Pflanzen aufzutanken.

Flora-tipp: Natürliches Kistchen

Um Nützlinge bei sich anzusiedeln, schafft man sich am besten eine ruhige Ecke, in der man nicht werkelt, rät Andreas Dür. Dort kann man Sand streuen und Totholz ungleichmäßig aufeinanderschichten und den Insekten so Rückzugsmöglichkeiten gewähren. „Das ist fast besser als ein Nützlingshotel.“

Außerdem hat er einen Tipp für den Balkon oder die Terrasse: „Wenn ich mein ganz persönliches Kistchen bepflanzen würde, würde ich den größtmöglichen Topf nehmen und hineinpflanzen: eine Sonnenprinzessin – die Blume des Jahres 2020 –, ein Basilikum der Sorte ,African Blue‘, einen Thymian und eine Balkontomate der Sorte ,Sunnyboy‘.“ Die Tomate wird 30 bis 40 Zentimeter hoch und trägt viele kleine, zuckersüße Früchte.

Sein dritter Tipp ist: Eine Blumenwiese mit Setzlingen pflanzen statt säen. „Auch für kleine Flächen geeignet, blüht sie sofort, von Mai bis Oktober. Wichtig ist: Kopf abschalten und Zinnien, Salbei und Co. ungeordnet, ohne System pflanzen. So sieht es am Ende am natürlichsten aus.“