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Warum Disney vor diesem Frosch warnt

27.02.2021 • 12:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum Disney vor diesem Frosch warnt

„Disney+“ versieht „Muppet Show“ mit Warnhinweisen.

Wer nicht mehr ganz jung ist, wird sie noch gut kennen: Die Muppets, die in ihrer im doppelten Sinne tollen Show zwischen 1976 und 1981 in insgesamt 120 Folgen und in mehr als 100 Ländern zu sehen waren. Nun, gut 40 Jahre später, versieht der Streamingdienst „Disney+“ etliche Folgen der „Muppet Show“ allen Ernstes mit einem Warnhinweis. Kermit der Frosch und Konsorten – ein Gefahr für die Allgemeinheit? Ist denn gar nichts mehr ohne Vorsicht zu genießen? Und was sagt der Rest der einzigartigen Puppenbande dazu?

Natürlich: Für die damalige Zeit mutete die britisch-amerikanische Puppen- und Comedy-Serie beinahe anarchistisch an und rüttelte nicht nur an den Lachmuskeln, sondern mitunter auch ein klein wenig an Geschmack und Nerven. Der brillante Puppenspieler Jim Henson (1990 verstorben und auch für die „Sesamstraße“ verantwortlich) hauchte den Figuren eine ganze Menge Leben ein und erschuf zusammen mit dem Briten John Oz (76) einen schräg-schillernden Mikrokosmos. Doch über Jahrzehnte hätte niemand daran gedacht, vor der „Muppet Show“ zu warnen – so wie Twitter dies bis zur endgültigen Sperre zu recht mit unzähligen unsäglichen Trump-Tweets tat.

Ein ungleiches Paar für die Ewigkeit: Kermit der Frosch an der Seite von Miss Piggy
Ein ungleiches Paar für die Ewigkeit: Kermit der Frosch an der Seite von Miss PiggyAPA

Warum also werden die mit Webpelz, Fell und Federn überzogenen Schaumstoffpuppen politisiert? Die Stereotype sind es! 18 Folgen der „Muppet Show“ wurden mit einem „Achtung!“ für das internationale Publikum etikettiert. Darunter etwa eine Episode aus dem Jahr 1980, in der das amerikanische Monument Johnny Cash, das vor einer Scheune vor einer Flagge der Konföderierten singt – heute einem Symbol der Ultrarechten. In einer anderen Folge steht der geniale britische Komiker Peter Sellers als „Gypsy“ kostümiert vor einem Wohnwagen. Und das sind da noch arabische Muppets, die nach Öl bohren oder ein Mexikaner, der singendes Gemüse (!) dirigiert. Fozzie-Bär erdreistet sich gar, in einer Episode von „Schweine im Weltall“ tatsächlich mit Perücke auf dem Kopf eine Parodie von Miss Piggy zu geben. Ja, und weiter?

Ja, natürlich sind das Klischees, mitunter billige und womöglich auch sehr gestrige bzw. durchaus insgesamt diskussionswürdige Ansätze. Allein: Seit es Komiker in TV-Formaten gibt, spielen diese mehr oder weniger subtil eben damit – von den Marx Brothers und den Monty Pythons anwärts. Der durchaus seröise „Guardian“ beschrieb die Sendung, die in erster Linie TV-Puppentheater für Erwachsene sein wollte, seinerzeit: „Ironisch, aber nicht zynisch. Scharf, aber nicht grausam. Süß, aber nicht kitschig. Anarchisch, aber nicht chaotisch.“ Gut vier Jahrzehnte alte TV-Unterhaltung taugt kaum als Basis heutiger Moral-Kataloge. Würde man diesen Ansatz wählen, bliebe am Ende von derlei Unterhaltung nicht mehr allzu viel übrig.

Das (fast vollständige) "Muppet Show"-Aufgebot
Das (fast vollständige) „Muppet Show“-AufgebotSonstiges

Die Warnhinweise mögen in dem (im Unterschied zu den Muppets nicht selten künstlich wirkenden) Disney-Mikrokosmos kleben bleiben – das Stigma sollte man besser im Schränklein der Überkorrektheit lassen. Das würde auch Kermit der Frosch so sehen. Er hatte neben seiner aussichtslosen Liebe zu Miss Piggy als Conferencier genug damit zu tun, die spaßigen und am Ende doch gerade angesichts der Verrohung in heutigen TV-Formaten sehr harmlosen Handlungsstränge zusammenzuhalten.

Eine Stellungnahme von Waldorf und Statler, jenem grantelnden Altherren-Duo, das in der „Muppet Show“ das Geschehen süffisant und in feinem Zwirn von seiner Loge aus kommentierte, steht übrigens bislang noch aus.