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Rubens bis Klum und was wirklich schön ist

20.02.2021 • 16:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Ich habe gehört, es gibt heroische Wesen auf dieser Erde, welche die Fastenzeit zum Fasten nutzen. Das heißt, bewusst auf Dinge verzichten, die in unserer reichen Welt zur Selbstverständlichkeit gehören. Das Handy, der Faschingskrapfen, das kleine Bier zum Feierabend. Ich finde das bewundernswert.
An mir ist diese Zeit meist ereignislos vorbeigegangen. Heuer möchte ich mitmachen. Dabei muss ich mir aber eingestehen, dass dieser Wunsch simpel daher rührt, dass mir dieses Corona-Virus indirekt einige Kilos auf meine Hüften geklebt hat. Es wird Zeit, mich zu besinnen. Sport, weniger Süßes, mehr Gemüse muss auf den Teller. Unbedingt. Wenn ich mich so mit meinen angestauten Speckrollen im Spiegel betrachte, schießen mir zwei Gedanken ein.
Erster: Es ist doch schön, dass in einer Zeit, in der es mir eigentlich schlechter geht als sonst, es mir noch immer so gut geht, dass ich mir Vorrat um meine Knochen packen kann.
Zweiter: Können wir Rubens gegen Heidi Klum eintauschen? Da würde es am Laufsteg wogen und wallen, dass es eine Freude wäre. Und wahrscheinlich hätte jedes Model immer irgend­etwas zum Essen oder Trinken dabei. Einen Weinkelch, einen Apfel, süße Trauben. Es ist doch wirklich witzig, wie sich unsere Schönheitsideale ändern. Wie unser Körper Modeerscheinungen unterliegt, als ob er ein simples Kleidungstück wäre. Und der Trend des Gewandes, das tatsächlich unseren Körper ummantelt, ist in etwa so schnelllebig wie eine Tafel Schokolade in meiner Schreibtischschublade. Kaum da, schon wieder weg. Was wir uns alles kaufen müssten, um trendy zu sein, überfordert mich. Ich habe mich deshalb auch ohne Fastenzeit dazu entschlossen, einfach bei Sneakers und Sakko aufzuhören und nicht mehr weiter mitzumachen. Es gibt aber auch wirklich positive Veränderungen Schönheitsideale betreffend. In meiner Kindheit gab es nichts Schlimmeres, als Zahnspange zu tragen. Du hattest sofort ein großes, dickes „L“ für Loser auf der Stirn prangen, wenn deine Zähne silbern leuchteten. Meine Kids hingegen wollten nichts sehnlicher als eine Spange. Die ist heutzutage das Coolste überhaupt. Ich hatte die glücklichsten Mädels, als der Arzt eine Zahnfehlstellung diagnostizierte.
Vielleicht ist ein guter Einstieg in die Fastenzeit, zu erkennen, dass äußere Schönheit und deren Wahrnehmung Veränderung unterworfen ist. Denn im Endeffekt kann das, was jemand um seinen Körper drapiert hat, seien es Muskeln oder Samt und Seide, noch so hervorstechen, der Glanz kann schnell verloren gehen. Das was wirklich bestehen bleibt, ist das, was man innen trägt. Wenn das schön ist, glänzt man immer.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.