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Bittere Pille für die Wirtschaft

17.01.2021 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
++ THEMENBILD ++ CORONA: DRITTER LOCKDOWN IM HANDEL
++ THEMENBILD ++ CORONA: DRITTER LOCKDOWN IM HANDEL (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Handelsverband: „10.000 Betriebe de facto insolvent“

Die Verlängerung des Lockdowns bis 7. Februar schmerzt sowohl der Industriellenvereinigung (IV) als auch der Wirtschaftskammer (WKÖ). Beide Organisationen hofften am Sonntag aber auf die Chance auf ein wirtschaftliches Comeback. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) forderte weitere Coronahilfen für die Betriebe.

„Unsere Betriebe und ihre Mitarbeiter haben jetzt eine gemeinsame Perspektive, dass Anfang Februar erste Öffnungsschritte im Handel und bei körpernahen Dienstleistern erfolgen werden“, so WKÖ-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) am Sonntag.

Die Verlängerung des Lockdowns sei eine „bittere Pille“, aber Betriebe hätten jetzt die Möglichkeit, sich auf die Öffnung vorzubereiten. Notwendig seien jetzt aber zusätzliche Hilfen für die Betriebe.

Ein „Jobvernichtungsprogramm mit einem Lockdown bis tief in den März“ sei verhindert worden, so Mahrer. Man verfüge auch über Werkzeuge im Kampf gegen die Pandemie. Ein solches sei etwa die gemeinsam von den Sozialpartnern erarbeitete Teststrategie für bestimmte Berufsgruppen.

„Für den Tourismus ein Totalausfall …“

„Mit der neuerlichen Verschiebung des Öffnungsdatums wurde in vielen Regionen das Saisonende quasi besiegelt„, beklagte der Tourismusspartenobmann in der Wirtschaftskammer Tirol, Mario Gerber. „Für den Tourismus ein Totalausfall, nachdem schon der letzte Winter frühzeitig beendet wurde.“

Handelsverband: „10.000 Betriebe de facto insolvent“

Nach einem weiteren Umsatzersatz für die gesamte Lockdown-Dauer und einen höheren Beihilfedeckel für den Mittelstand rief auch der Handelsverband am Sonntag einmal mehr. „Die Coronavirus-Mutation B117 hat leider dafür gesorgt, dass unser Albtraum-Szenario eingetreten ist. Wir rechnen jetzt für den sechswöchigen Lockdown im Handel mit einem Umsatzverlust von fast sechs Milliarden Euro“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Mittlerweile sind über 100.000 Jobs in der Branche akut gefährdet. 10.000 Betriebe sind de facto insolvent.“

Die erprobten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen würden im Handel weiter voll umgesetzt werden und um das FFP2-Maskengebot für Mitarbeiter und Kunden erweitert. Auch der neue Sicherheitsabstand von zwei Metern werde erfüllt werden, so Will.

„Mehr als schmerzhaft“

„Die Corona-Beschränkungen sind für Gesellschaft und Wirtschaft mehr als schmerzhaft. Wir brauchen eine klare Perspektive, wie wir aus dieser Spirale herauskommen“, betonte IV-Präsident Georg Knill in einer Aussendung. Die Maßnahmen der Bundesregierung seien zu respektieren. „Wir müssen uns aber vor allem auch die Chance für ein wirtschaftliches Comeback nach der Krise erhalten.“

Mehr als beachtlich sei der gewaltige Aufwand, den Unternehmen für Sicherheit, Schutz und Gesundheit ihrer Beschäftigten betreiben. Durchschnittlich würde in heimischen Produktionsbetrieben bereits jetzt zwei Mal pro Woche getestet. Alleine bis Anfang Dezember habe die Industrie insgesamt weit mehr als 50 Millionen Euro für Testungen aufgewendet. Neben umfangreichen Hygienemaßnahmen hätten die Unternehmen auch auf Homeoffice-Lösungen – wo möglich – gesetzt. Eine Verpflichtung sei aus IV-Sicht wenig praktikabel, die Industrie unterstützt aber die Empfehlung zu Tele-Arbeit, wo dies möglich ist. Bei der Impfstrategie gehörten Schlüsselarbeitskräfte in der Industrie priorisiert, so Knill.

Hoteliers: „Es braucht mehr als bisher“

„Vieles hat in den vergangenen Tagen und Wochen darauf hingedeutet: Es gibt keine realistische Alternative zur Verlängerung des Lockdowns. Dennoch ist das für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Gäste ein schmerzhafter Tiefschlag“, so ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer in einer Aussendung am Sonntag. Der Lockdown zumindest bis weit in den Februar komme bei vielen Betrieben dem Wegfall eines Jahresumsatzes gleich: „Der Städte- und Kongresstourismus liegt dann tatsächlich ein Jahr brach, und der Winter- und Wellnesstourismus erwirtschaftet in diesen Wochen den Großteil des Jahresumsatzes“, fordert Reitterer, den vollen wirtschaftspolitischen Fokus auf mitarbeiterintensive Servicebranchen zu legen: „Der Sektor wird als erster, am härtesten und am längsten getroffen, da braucht es mehr als bisher.“

Erst am Freitag hatte die Hoteliervereinigung (ÖHV) die Forderung nach einem weiteren Umsatzersatz bekräftigt, sollte der Lockdown verlängert werden. Zugesagt war diese Hilfe durch die öffentliche Hand nur für die Monate November (bis zu 80 Prozent) und Dezember (50 Prozent). Ab Jänner gibt es nur mehr den sogenannten Verlustersatz (bis zu 70 Prozent).