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Die Logistik des Impfens

28.12.2020 • 10:24 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ärzte, Pfleger und Bewohner von Seniorenheimen gehören zu den Ersten, die geimpft werden
Ärzte, Pfleger und Bewohner von Seniorenheimen gehören zu den Ersten, die geimpft werden APA/LAND SALZBURG/FRANZ NEUMAYR

„Die Schwächsten zuerst“: Die Regierung will zunächst über die Impfung informieren, dann dazu animieren.

„Die Schwächsten zuerst“ – unter diesem Motto ist heute, Montag, eine Informationskampagne der Regierung zur Impfung gegen Corona angelaufen. In einer ersten Phase will man auf sachliche Aufklärung setzen, hieß es aus dem Bundeskanzleramt. Dann soll eine Aktivierungskampagne folgen, zumal „erst nach und nach eine größer werdende Anzahl an verfügbaren Dosen“ der Vakzine verfügbar sein werde.

Die Eckpunkte der österreichischen Impfstrategie:

Voraussetzung dafür sei eine optimale Logistik, für die man professionelle Partner an die Seite geholt habe, um in den Ländern und Gemeinden breit aufgestellt zu sein. Nach dem symbolischen Start am Sonntag werde die Impfung Schritt für Schritt ausgerollt, so „dass es möglichst wenig Barrieren für die Bevölkerung gibt“, erläuterte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. 2021 solle zum Jahr des Erfolges bei der Bekämpfung der Pandemie werden.

Im Zuge einer Pressekonferenz mit Anschober wurde über Bestellung und Verteilung der Covid-19-Impfdosen via e-Shop informiert. Mit dabei waren der Sonderbeauftragte für Gesundheit, Clemens Martin Auer und die Leiterin der Impfabteilung, Maria Paulke-Korinek, sowie Gerhard Zotter, Geschäftsführer der Bundesbeschaffung GmbH, und Andreas Windischbauer, Präsident der österreichischen Arzneimittelgroßhändler (Phago).

Clemens Martin Auer, quasi „Chef-Einkäufer“ Österreichs, erläuterte, man hätte im Juni nie zu träumen gewagt, dass im Dezember bereits mit den Impfungen begonnen werden kann. Europa habe ein breiteres Portfolio als alle anderen, sechs bis sieben Impfstoffe seien in der Pipeline und würden früher oder später alle eine Zulassung bekommen.

Es sei auch deshalb so schnell gegangen, weil die EU insgesamt 2,7 Milliarden Euro als Anzahlung, gleichzeitig auch Kapital, mit dem man ein gewisses Risiko eingegangen sei, zur Verfügung stellen habe können – Geld mit dem die Firmen arbeiten konnten. Deshalb konnten auch riesige Investitionen in die Produktionskapazitäten getätigt werden – in Kürze werde eine zusätzliche Anlage im deutschen Marburg an der Glan eröffnet.

Drei Kriterien seien bei der Auswahl der Impfstoffe zentral:

Nach einer breiteren Verfügbarkeit des Impfstoffes sollen möglichst viele Menschen zur Teilnahme animiert werden. „Die Kampagne setzt von Beginn an auf die Einbeziehung führender Fachleute aus der Medizin“, hieß es aus der Bundesregierung.

Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Impfabteilung erläuterte, wie der Impfstoff wirkt:

Nebenwirkungen wie Kopfweh, Fieber, auch Muskelschmerzen oder Müdigkeit seien – wie bei anderen Impfungen auch – normal, denn sie zeigten, dass der Körper tatsächlich reagiere. Sie verschwinden normalerweise sehr rasch von selbst.

Die Impfung sei sicher und wirksam. Dass der Impfstoff so rasch zugelassen werden konnte liege daran, dass bereits seit 20 Jahren an der Technologie geforscht wurde, dass im Rahmen der Studien und mit der Zulassungsbehörde bereits laufend alle Daten ausgetauscht und evaluiert wurden. „Zugelassen wird ein Impfstoff immer nur dann, wenn Nutzen und Risiko dafür sprechen.“

Im Rahmen der Pressekonferenz wurde auch der Beschaffungsvorgang in Phase 1 (Impfung in Alten- und Pflegeheimen) detailliert erläutert, der sicherstelle, dass alles reibungslos funktioniere:

Ab Phase 2 – vermutlich Ende Februar – werde auch der in der Lagerung weniger aufwändige Impfstoff von Astrazeneca zur Verfügung stehen, „da bringen wir dann die Impfung über die niedergelassenen Ärzte zu den Menschen“, so Clemens Martin Auer. Die Ärzte würden dann auch alle zu Hause lebenden Menschen über 65 sowie Risikogruppen aktiv ansprechen.

Auch in Phase 3 werde dezentral vorgegangen – hier vor allem auch über Impfungen in den Betrieben. In den Gemeinden und Städten sollen dann Impfstraßen eingerichtet werden, das könne in einer kleinen Gemeinde auch der Turn- oder Pfarrsaal sein. Die Erfahrungen, die man im Zuge der Massentests gesammelt habe, seien dabei sehr nützlich.

Auch Menschen, die bereits einmal erkrankt waren, sollen sich übrigens impfen lassen. Expertin Paulke-Korinek: „Wir wissen nicht, ab welchem Antikörper-Spiegel noch ein Schutz besteht.“ Wenn der Impfstoff knapp werde, gehe man von einer Drei-Monats-Frist aus, innerhalb derer Genesene noch geschützt seien und die Impfung aufschieben könnten.

Start der Impf-Kampagne

Im ersten, breit gestreuten Spot erklärt der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, die drei Phasen der Corona-Impfaktion. Damit sei gewährleistet, dass „die Schwächsten zuallererst versorgt werden“, so der Mediziner. Die Impfung werde für alle verfügbar, gratis, „sehr sicher und wirksam sein und einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Pandemie leisten“.

Die drei Phasen erläutert Müller im Spot konkret: „In der ersten Phase werden vor allem Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sowie Personal im Gesundheitswesen geimpft; in Phase zwei ältere Personen, Personen mit Risikoerkrankungen und Personal in kritischer Infrastruktur. In Phase drei wird die gesamte Bevölkerung die Gelegenheit haben, sich impfen zu lassen.“