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Unregelmäßige Dienstzeiten, wenig Geld

23.11.2020 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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ARCHIVBILD: THEMENBILD: MEDIZIN / GESUNDHEIT / SPITAL / KRANKENHAUS / AeRZTE / MEDIZINISCHE VERSORGUNG APA/HELMUT FOHRINGER

Einige Menschen fürchten sich, zu wenig Pension zum Leben zu haben.

Viele systemrelevante Jobs werden von Frauen ausgeübt, etwa in der Pflege, im Handel oder in der Reinigungsbranche. Der aktuelle Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich hat diese „systemrelevanten Frauenberufe“ näher unter die Lupe genommen. Fazit: Viele beklagen unregelmäßige Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung, gut drei Viertel fürchten, einmal zu wenig Pension zum Leben zu haben. Das ergibt sich aus den Unterlagen zu einer Online-Pressekonferenz am Montag.

Eine Million Menschen arbeitet in Österreich in systemrelevanten Berufen wie Krankenpflegerin, Handelsangestellte, Reinigungskraft, Lehrer, Polizist, Ärztin etc. Im Durchschnitt beträgt der Frauenanteil laut AK in diesen Jobs 66 Prozent, in den Bereichen Kindergartenpädagogik, Handel, Reinigung, medizinische Betreuung und Assistenz sowie in der Pflege und Betreuung liegt er sogar jenseits von 80 Prozent. Auf diesen Jobs liegt der Fokus des aktuellen Arbeitsklima-Index.

Seltener Gleitzeit

Während demnach in allen anderen Bereichen 15 Prozent der Beschäftigten Schicht- oder Turnusdienste machen, sind es in den systemrelevanten Frauenberufen 24 Prozent. Hier sind auch Samstagsdienste viel häufiger. Hinzu komme, dass es seltener Gleitzeit gebe und viele Frauen Teilzeit arbeiten, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, so die Arbeiterkammer (AK).

Homeoffice ist in systemrelevanten Frauenberufen generell schwieriger, das Risiko, mit Infizierten in Kontakt zu kommen, dafür umso höher. Während 36 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer in nicht systemrelevanten Berufen ganz oder zumindest teilweise in der Corona-Krise von zu Hause aus arbeiten können, beträgt dieser Anteil bei den systemrelevanten Frauenberufen laut AK nur fünf Prozent.

Keine Änderung bei Gehalt

Zwar glauben 57 Prozent aus diese Gruppe, dass ihre Arbeit mittlerweile mehr respektiert wird, finanziell schlägt sich das aber kaum nieder: Fast 70 Prozent dieser Frauen berichten, dass sie weniger als 1.800 Euro verdienen, 12 Prozent bekommen sogar weniger als 900 Euro. In den anderen systemrelevanten Berufen verdient hingegen nur ein knappes Viertel weniger als 1.800 Euro, in allen übrigen Branchen sind es 44 Prozent.

62 Prozent derer, die in einem systemrelevanten Frauenberuf arbeiten, sagen, dass ihr Einkommen gerade noch oder gar nicht mehr zum Leben reicht. Jede fünfte aus dieser Gruppe sieht durch die Krise ihre Existenz gefährdet. Gut drei Viertel erwarten, dass sie mit ihrer späteren Pension nicht auskommen werden. Viele Beschäftigte in systemrelevanten Berufen glauben aber ohnehin nicht, dass sie ihren Job bis zur Pension ausüben können. Rund 60 Prozent der Über-45-Jährigen in den Bereichen Pflege und medizinische Betreuung, drei Viertel der Reinigungskräfte und fast ebenso viele aus der Alten- und Behindertenbetreuung haben diese Befürchtung.

Die Berechnung des Arbeitsklima-Index der AK Oberösterreich basiert auf vierteljährlichen Umfragen unter österreichischen Arbeitnehmern, pro Jahr werden rund 4.000 Beschäftigte befragt.