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Corona-Toter in Flüchtlingslager

18.06.2020 • 11:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Camp ist das größte der Welt.
Das Camp ist das größte der Welt. (c) APA/AFP/ED JONES (ED JONES)

Social Distancingist ist in weltgrößten Flüchtlingslager kaum möglich.

Anlässlich des bevorstehenden Weltflüchtlingstags am 20. Juni informierte der stellvertretende Länderdirektor für Bangladesch der Hilfsorganisation Care, Ram Das, bei einem Online-Mediengespräch am Dienstag angesichts der Coronakrise über die Situation im bangladeschischen Bezirk Cox’s Bazar im Südosten des Landes, wo 855.000 geflüchtete Rohingya leben.

In Cox’s Bazar gibt es insgesamt 34 Flüchtlingscamps, die zusammen als das größte Flüchtlingslager der Welt gelten. In ihnen leben verfolgte Muslime der Rohingya-Minderheit aus dem benachbarten Myanmar seit 2017 unter verheerenden Bedingungen in Zelten oder Bambusbaracken.

Social Distancing ist kaum möglich

Ram Das zeigte sich angesichts 38 mit Covid-19 infizierten und zwei toten Lagerbewohnern besorgt. Es würden alle Maßnahmen zur Eindämmung getroffen. Positiv Getestete würden sofort isoliert. In manchen Fällen versuche man auch, die Infektionskette zurück zu verfolgen, sagte der Entwicklungshelfer. Davon abgesehen sei Social Distancing aber in einem Lager, wo durchschnittlich fünf bis sechs Menschen auf eineinhalb Quadratmetern leben, die größte Herausforderung.

Es wird Desinfektionsmittel verteilt und aufgeklärt

Die Hygiene in Camp sei zentral, daher würden regelmäßig Desinfektionsmittel verbreitet, so Ram Das. Die Behandlung der Infizierten sei unter den beengten Bedingungen sehr schwierig. Die Regierung habe deshalb ein Hotel im Bezirk dafür freimachen lassen.

Die Menschen würden über das Virus mittels gedrucktem und audiovisuellem Informationsmaterial sowie persönlich informiert und sich bei Symptomen rasch melden. Dass die Regierung den Internetzugang im Camp zeitweise stark eingeschränkt hat, sah er dabei allerdings kritisch.

Monsunzeit und Corona: Eine doppelte Bedrohung

Die nun anbrechende Monsunzeit stelle eine Gefahr für Erdrutsche und damit neben Corona die zweite Bedrohung dar, so Ram Das. Die Zweifachkrise würden einen enormen zusätzlichen Bedarf an Hilfsmitteln erfordern, den er aktuell nur zu 20 Prozent gedeckt sieht.

Der Ende Mai aufgehobene landesweite Lockdown habe auch für Cox’s Bazar gegolten, das von der Regierung in Teilen als rote Zone deklariert wurde. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit wurde aber nicht durchgängig eingehalten, sagte Das; so sei eine positiv getestete Person aus einem anderen Lager gekommen. Man setze bei der Bewusstseinsbildung daher auch auf religiöse Führer im Lager.

„Die Regierung hat versichert, dass die Notversorgung der Geflüchteten mit Lebensmitteln, Wasser und Seife nicht beeinträchtigt wird“, sagte Das. Doch nun kämen aufgrund der Corona-Maßnahmen weniger Helfer.

„Lediglich 38 Infizierte im Camp sind eine große Leistung“, sagte Das, räumte aber ein, dass mit 405 Personen weniger als zehn Prozent der Lagerbewohner getestet wurden. In dem Land mit 168 Millionen Einwohnern waren Ende Mai bereits rund 47.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Experten gehen von deutlich höheren Zahlen aus, da nicht genug getestet werde.

Umsiedlung der Geflüchteten in Sicht?

Seit Monaten verhandeln die Vereinten Nationen und die bangladeschische Regierung mit Myanmar bezüglich einer Umsiedlung der Rohingya auf der abgelegenen Insel Bhashan Char, die zu Bangladesch gehört und regelmäßig von Zyklonen heimgesucht wird. Derzeit wird evaluiert, ob das Areal sicher ist. „Es ist nicht klar, ob es dazu kommen wird. Die Leute wissen nicht, wie ihre Zukunft aussieht“, so Entwicklungshelfer Ram Das.