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Kinder dürfen Angehörige besuchen

09.06.2020 • 09:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gesundheitsminister Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf Anschober APA/HANS PUNZ

Bund und Länder arbeiten weitere Konzepte für Lockerungen aus.

Wie hat sich der Corona-Virus auf die Situation in den heimischen Alten- und Pflegeheimen ausgewirkt? Eine entsprechende Studie, die darüber Auskunft geben soll, wurde heute von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) präsentiert. Zudem verkündete der Minister weitere Lockerungsempfehlungen für Besuche in Alten- und Pflegeheimen sowie Behinderteneinrichtungen.

Was man laut Anschober bisher über das Virus weiß, ist, dass es vor allem älteren Menschen zum Verhängnis werden kann. Deshalb habe man vor allem in Alterns- und Pflegeheimen getestet. Nun wisse man: Die ersten Lockerungsschritte, die man Ende April gesetzt hatte, „haben sich nicht negativ ausgewirkt“, so der Minister. Dies sei ein positives Zeichen. Deshalb habe man sich nun dazu entschieden, einen weiteren „großen Schritt“ zu setzen.

Kinder dürfen wieder besuchen

Künftig werde es weitere schrittweise Erleichterungen beim Besuchsrecht geben, darauf habe man sich mit den Ländern geeinigt. Aktuelle Hygienepläne und Schutzrichtlinien bleiben zwar aufrecht (Hände waschen, Abstand halten etc.), künftig dürfen aber auch Kinder wieder „ohne Angabe von besonderen Umständen“ Familienmitglieder in den Heimen besuchen. Die Einrichtungen sollen dazu eigene Konzepte entwickeln, so Anschober. Regionale Unterschiede in den Infektionszahlen sollen dabei ebenfalls berücksichtigt werden.

Laut Studienautorin Elisabeth Rappold von der Gesundheit Österreich GmbH nehme die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, in hohem Lebensalter deutlich zu. Ein Drittel der 90-Jährigen und jener, die noch älter sind und die erkranken, sind gestorben. In Pflegeheimen seien 70 Prozent der Infizierten weiblich gewesen – was jedoch auch an der Geschlechterverteilung in den Einrichtungen liege.

Laut Rappold entfalle ein Drittel aller Corona-Sterbefälle auf Altersheime, 0,3 Prozent aller Bewohner seien infiziert gewesen. Zum Vergleich: In Belgien liege der Wert bei 3,7, in Deutschland bei 0,4.

Quarantäne angedroht

Susanne Jaquemar von der Bewohnervertretung betonte, dass Bewohner und Bewohnerinnen in Alten- und Pflegeheimen „wesentlich stärker“ als alle anderen in ihren Grundrechten beschränkt worden sind, als sich das Land im Lockdown befunden hatte. Zum Teil sei Bewohnern sogar angedroht worden, sie in Quarantäne zu nehmen, sollten sie spazieren gehen. Gesetzliche Grundlagen dafür habe es keine gegeben.

Die geplanten Lockerungen seien ein wesentlicher Schritt, um das Leben der BewohnerInnen deutlich zu verbessern, so Jaquemar.

Auch Diakonie-Chefin Maria Katharina Moser betonte das Spannungsverhältnis zwischen „Leben retten“ und Isolieren. Es sei nachweislich schlecht für den Gesundheitszustand Betroffener, wenn wichtige Therapien oder auch Besuche von Verwandten ausbleiben. Es werde keine ideale Lösung geben, solange kein Impfstoff verfügbar sei, so Moser. Dennoch müsse die Frage der Gerechtigkeit im Zentrum stehen.

500.000 Tests

Anschober gab zudem erneut einen Überblick über die Ausbreitung des Virus, dieses breite sich nun vor allem in Lateinamerika und den USA stark aus. In Europa sei die Lage deutlich stabiler, auch in Österreich, wo in den vergangenen Stunden 21 Personen positiv getestet wurden. „Das ist noch immer eine sehr gute Zahl.“ Gestern sei erstmals die Grenze von 500.000 Tests überschritten worden, „damit sind wir weltweit eines der Länder, die man meisten testen“.